Befristung von Esport Spielerverträgen? *Update*

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Zum Thema Spielerverträge habe ich ja bereits hier auf dem Blog einiges geschrieben, angefangen mit den meiner Meinung nach absolut notwendigen Inhalten in diesem Artikel, bis zur Frage, was der Unterschied zwischen Arbeitnehmer und Freiberufler ist (siehe hier).

Ein wichtiges Thema bei Festangestellten aber auch bei Freiberuflern ist jedoch immer auch die Frage, ob man Spieler binden kann und wenn ja wie lang. Dadurch dass die allermeisten Spielerverträge in aller Regel als AGB zu klassifizieren sein werden, sind zahlreiche Klauseln unzulässig und es gibt harte Regeln dazu, wie lange Verträge laufen können (siehe diesen Beitrag).

Nun bekomme ich oft aber auch die umgedrehte Frage, nämlich ob Spielerverträge befristet werden können. Grund dafür ist, dass man als professionelle Organisation sein Risiko begrenzen will, wenn der Spieler nicht erfolgreich ist oder Spieler nur dann einstellen möchte, wenn gerade eine Saison bei einem bestimmten Titel läuft und danach immer wieder neue Befristungen vereinbaren will.

Derartige Kettenbefristungen sind aber nur unter sehr engen Grenzen möglich. Wenn dann muss nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz ein besonderer Sachgrund vorliegen.

Für Profifußballspieler hat das Bundesarbeitsgericht Anfang 2018 entschieden, dass eine solche  Befristung auch  über zwei Jahre hinaus möglich sei, da eine die Eigenart der Arbeitsleistung dies nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG rechtfertigen würde. Aber gilt das auch für den Esport? Nun, auch wenn vieles dafür spricht, dass die Strukturen zumindest vergleichbar sind, so ist das größte Problem die fehlende Anerkennung von Esport als Sport durch den DOSB. Gerichtsentscheidungen hierzu gibt es jedoch noch nicht.

Deutlich mehr Probleme, bis hin zur Unmöglichkeit der Umsetzung, dürften sehr kurze Befristungen von wenigen Monaten und sodann die ständige Verlängerung der Befristung vorliegen, denn Betreiberunternehmen riskieren, dass Arbeitsgerichte irgendwann die Befristung nicht mehr anerkennen, was durchaus dazu führen kann, dass einem Spieler nur noch schwer gekündigt werden kann (selbst wenn er beispielsweise keine gute Leistungen mehr bringt), was insbesondere dann der Fall ist, wenn man bereits derart viele Mitarbeiter hat, dass nach § 23 KSchG das Kündigungsschutzgesetz Anwendung findet, weswegen Arbeitgeber Dinge wie Sozialauswahl und vieles mehr beachten müssten. Dies ist der Fall, wenn man in der Regel mehr als 10 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Zahl die bei professionellen Teams durch Trainer, Coaches, Spieler und sonstige Mitarbeiter schnell erreicht ist.

In den Fragen der Erstellung von Spielerverträgen und natürlich auch bei der Frage, ob man Arbeitsverträge oder Freelancerverträge nutzt, sollte man sich gut beraten lassen. Es gibt hier nämlich kein Richtung oder ein Falsch, sondern Vor- und Nachteile beider Varianten und die Verträge müssen sowohl dem Geschäftskonzept und Dingen wie den Sponsorenverträgen angepasst werden. Auch Dinge wie Steuern und Sozialabgaben sollten dabei beachten werden (siehe diesen Artikel).

*Update*

Ein kurzes Update zur Frage, ob die fehlende Sportanerkennung durch den DOSB für die Rechtsfrage relevant ist, sei gestattet. Danke an Nepomuk Nothelfer von der Uni Augsburg und der Forschungsstelle Esport-Recht für den Hinweis.

Natürlich ist der Unterschied von Esport und Sport tatbestandlich irrelevant für die Auslegung der Norm. Relevant ist jedoch die tatsächliche Ausgestaltung der Tätigkeit, z.B. wie lange in der Regel einer Tätigkeit nachgekommen werden kann, wie organsiert die Struktur ist und weitere Aspekte. Als Rechtsanwalt habe ich allerdings ständig mit Gerichten zu tun und ich weiß daher auch, wie diese durch Medien und Ersteindrücke beeinflusst werden können – auch wenn dies nicht so sein sollte.

Das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes betrachtet die professionellen Rahmenbedingungen des organisierten Sports. Genau diese sind aber im Esport eben nur marginal ausgebildet aktuell. Der Grund dafür sind durchaus auch die Handhabe von prekären Arbeitsverhältnissen, teils unprofessioneller Umgang mit Dingen wie Steuern und Sozialversicherung und weitere Aspekte.

Erfahrt dann ein Richter noch beim “Googlen”, dass Esport nicht anerkannt ist und findet ähnliche kritische Äußerungen zu professionellen Strukturen, besteht durchaus eine Chance, dass Richter beeinflusst werden.

Übrigens kommt zu dem Problem dieser Unsicherheit auch der Umstand, dass das Bundesverfassungsgericht im letzten Jahr entschieden hat, dass die Gesetzesauslegung des Bundesarbeitsgerichts falsch sei und der Gesetzgeber zum Schutz der Arbeitnehmer Kettenbefristungen verhindern und unbefristete Regelarbeitsverhältnisse sichern wollte. In seinem Beschluss stellten die Verfassungshüter grundsätzlich klar, dass der Gesetzgeber die Mehrfachbefristungen von Arbeitsverträgen ohne sachlichen Grund bei demselben Arbeitgeber spätestens nach Ablauf der zweijährigen Befristungsdauer verbieten durfte, da Arbeitnehmer gegenüber Arbeitgebern unterlegen seien. Die Bundesregierungen wollte Änderungen vornehmen, hat aber bislang keinerlei Gesetzesvorschlag unterbreitet.

Insgesamt sei festgehalten, dass das Thema Befristungen von Arbeitsverträgen im Detail sehr kompliziert sein kann und für die Unternehmen auch durchaus ein wirtschaftliches Risiko darstellen kann. Es sollte daher nicht auf eigene Faust angegangen werden!

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