Im Rahmen der Fragen um Ablösesummen oder Talentförderung stellt sich Profiteams oder Agenturen im Esport natürlich immer die Frage, wie lange ein Vertrag mit einem Spieler eigentlich laufen kann. Nun, da gibt es keine klaren Regelungen, sondern es gilt normales Arbeitsrecht. Auch gibt es einen massiven Unterschied zwischen echten Arbeitsvertragen und Vermarktungsverträgen (gerne Vertrag als freier Mitarbeiter genannt).

Relevant ist bei der Frage natürlich auch das Grundgesetz, denn dieses garantiert in Art. 12  allen Deutschen sowohl die Freiheit der Berufswahl als auch die Freiheit der Berufsausübung.

Natürlich ist dieses Recht einschränkbar und es muss bei der Bewertung einer Klausel eine Abwägung stattfinden zwischen den Interessen des Spielers und des Teams oder Agentur.
So hat das Arbeitsgericht Heilbronn schon 2012 entschieden:

Eine in einem Arbeitsvertrag vereinbarte, für beide Vertragsparteien geltende Kündigungsfrist von 18 Monaten verstößt bei einem Beschäftigten, der eine Schlüsselposition bekleidet, nicht gegen das Grundrecht auf die freie Wahl von Beruf und Arbeitsplatz. (Az.: 5 Ca 307/11).

Eine Schlüsselposition besetzt mit Sicherheit ein Spieler in einem Team. Die Abwägung wird aber von der Höhe des Gehalts, der genauen Position und weiterer Faktoren im Arbeitsvertrag abhängen. So wird es mit einem Vertrag über einen Minijob sicher nicht möglich sein, einen Spieler mehr als einige Monate zu binden.

Auch das Bundesarbeitsgericht hat vor 2 Jahren sich mit der Frage einer beidseitig verlängerten Kündigungsfrist beschäftigt und musste dabei unter anderem klären, ob die Klausel eine AGB ist (siehe dazu diesen Artikel). Zwei Zitate dazu möchte ich gerne mitgeben:

In ei­ner Ge­samt­schau von § 622 Abs. 5 BGB und § 15 Abs. 4 Tz­B­fG er­gibt sich ei­ne ge­setz­li­che Höchst­gren­ze für die Bin­dung ei­nes Ar­beit­neh­mers von fünf­ein­halb Jah­ren. Be­reits dar­an wird deut­lich, dass die Verlänge­rung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist für ei­ne Kündi­gung durch den Ar­beit­neh­mer nicht gren­zen­los ist. Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG ga­ran­tiert ne­ben der frei­en Wahl des Be­rufs die freie Wahl des Ar­beits­plat­zes. Da­zu gehört bei abhängig Beschäftig­ten auch die Wahl des Ver­trags­part­ners. Die freie Be­rufs­wahl erschöpft sich nicht in der Ent­schei­dung zur Auf­nah­me ei­nes Be­rufs. Sie um­fasst darüber hin­aus die Fort­set­zung und Be­en­di­gung ei­nes Be­rufs. Die freie Ar­beits­platz­wahl be­steht ne­ben der Ent­schei­dung für ei­ne kon­kre­te Beschäfti­gung auch in dem Wil­len des Ein­zel­nen, die Beschäfti­gung bei­zu­be­hal­ten oder auf­zu­ge­ben […]  Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat hier­zu in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se aus­geführt, das Recht des Be­klag­ten auf freie Ar­beits­platz­wahl wer­de trotz des Ar­beits­plat­z­er­halts, der Erhöhung des Grun­dent­gelts um 1.000,00 Eu­ro brut­to und der zu er­zie­len­den Höchst­vergütung von 2.800,00 Eu­ro brut­to er­heb­lich und un­an­ge­mes­sen ein­ge­schränkt.

Die Höhe des Gehalts ist somit auch ein entscheidender Faktor. Im Grundsatz kann also ein Vertrag auch 5 1/2 Jahre laufen. Natürlich muss man sich dann als Arbeitgeber auch im Klaren sein, dass man so lange das Gehalt und weitere Leistungen schuldet, sofern der Spieler sich nicht auf eine Auflösung (im Rahmen eines Transfer zu einem anderen Team) einlässt.

Ebenso hat das Bundesarbeitsgericht bezüglich des Spieler Heinz Müller, der frühere Torwart des Bundesligisten FSV Mainz 05, entschieden, dass befristete Verträge für Profifußballer rechtens sind. Dabei stützte sich das Gericht ebenso auf  § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz und entschieden, dass Zeitverträge, die Vereine den Spielern für ein, zwei oder mehr Jahre ausstellen, wegen der Eigenart der Arbeitsleistung eines des Lizenzspielers gerechtfertigt seien. So kann man es sicher auch im Esport sehen.

Vergleichbare Urteile für Vermarktungsverträge sind mir nicht bekannt. Insofern könnte höchstens AGB-Recht Anwendung finden, weswegen solche Verträge regelmäßig nicht länger als 2 Jahre laufen dürfen, wobei auch hier gilt, dass der Restvertrag sich ebenfalls an AGB-Recht messen lassen muss und die Gesamtheit der Regelungen für den Spiele weder benachteiligend noch überraschend sein dürfen. Die Verträge, die ich bisher in der deutschen Esport-Szene gesehen habe, würden diesen Maßstäben eher nicht gerecht werden.

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