Schadensersatz im Esport bei Spielerwechsel? 1
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Schadensersatz im Esport bei Spielerwechsel?

In den letzten Monaten musste ich mich mehrmals mit der Frage beschäftigen, ob einem Team/Organisation bei einem Spielerwechsel ein Schadensersatzanspruch gegen den Spieler oder gegen das neue Team zusteht.

Professionelle Beratung, die Situation im Esport

Wie regelmäßige Leser meines Blogs mitbekommen, plädiere ich regelmäßig davon, dass Esport-Teams mit professionellen Verträgen arbeiten und sich professionell beraten lassen. Anders wird man es als Team kaum zu größeren wirtschaftlichen Erfolg bringen.

In der größten Probleme dabei ist es, Verträge zu gestalten und mit den Spielern zu verhandeln, die auch eine längerfristige Perspektive für das Team und somit auch für Sponsoren ermöglichen. Leider gibt es hier im Esport durchaus einige juristische Unwägbarkeiten. Für weitere Details ist dieser Artikel zu Ablösesummen und dieser Artikel zu Bootcamps und Spielerverkäufen geeignet.

Es stellt sich daher die Frage wie lange ein Spielervertrag laufen darf (siehe dazu diesen Artikel), was auch sehr davon abhängig ist, ob ein Esport-Spieler als Arbeitnehmer oder Auftragnehmer angesehen wird.

Bei der Vielzahl an Spielerverträgen, die ich in den letzten Jahren entworfen habe, habe ich mir zu diesen Problemen natürlich zahlreiche Gedanken gemacht. Was aber, wenn man als Esport Organisation gar nicht erst die Möglichkeit erhält mit Spieler oder neuem Team über Dinge wie Ablösesummen oder sonstige Kooperationsverträge zu sprechen bzw. zu verhandeln? Was, wenn ein Spieler einfach vertragsbrüchig wird und einfach so bei einem Konkurrenzteam einen neuen Vertrag unterschreibt. Ungeachtet möglicher Laufzeiten eines bestehenden Vertrages?

Schadensersatz?

Wer ist dann eventuell Schadensersatzpflichtig. Nun. Auch hier muss man zwischen Arbeitnehmer und Auftragnehmer unterscheiden.

Arbeitnehmer

Natürlich kann ein Team einen Spieler fristlos kündigen, wenn dieser die Arbeit verweigert und beispielsweise bei einem fremden Team spielt. Die Verpflichtung zur Zahlung des Gehaltes fällt sodann weg, aber das dürfte für das Team nicht der Hauptgrund sein. Die Nichtleistung lässt zunächst nur den Entgeltanspruch des Arbeitnehmers entfallen, begründet aber nicht automatisch einen Schadensersatzanspruch. Das Problem im Arbeitsrecht in Deutschland ist dabei, dass es hier keinen Erfolgsbezug der Arbeitsleistung gibt und somit ein Schadensersatz nicht schon dann zu bejahen ist, wenn der Arbeitnehmer eine bestimmte Leistung nach objektiven Maßstäben nicht erbringt.

Schadensersatz wird daher regelmäßig sehr schwer zu konstruieren sein und wenn überhaupt, aufgrund der Anwendung der Differenzhypothese (wonach der Arbeitgeber sich z.B. ersparte Aufwendungen anrechnen lassen müsste) noch zusätzlich geschmälert werden. Hinzu kommt, dass Arbeitsgerichte eventuell vorwerfen, dass das Team keine Ersatzkräfte hat. Schließlich hätte der Spieler ja auch regulär krank sein können oder einen Unfall gehabt haben und würden dann auch dem Team nicht zur Verfügung stehen.

Steuerrecht und Esport in 6 Problemfeldern

Die einzig realistische Möglichkeit ist daher die konkrete Vereinbarung eines Schadensersatzes. Solche Vereinbarungen sind grundsätzlich zulässig. Es müssen dabei jedoch die von Gerichten entwickelten Grenzen beachtet werden. So müssen die Klausel  klar formuliert und transparent sein und die Strafsumme darf nicht überhöht sein. Eine Orientierung erfolgt dabei meist  an der Vergütung des Arbeitnehmers in der Kündigungsfrist. Deutlich höhere Summen werden oft als unangemessen angesehen. Allerdings sind mir für den Esport hier noch keine Urteile bekannt.

Trotzdem sollte über die Nutzung einer Vertragsstrafklausel nachgedacht werden, denn oft führt eine solche zu einer größeren Vertragstreue bei Arbeitnehmern. Hinzu kommen theoretisch auch die Möglichkeit von Wettbewerbsverboten  nach der Kündigungsfrist, die aber Ausgleichszahlungen des ursprünglichen Teams beinhalten würden und auch ansonsten engen Grenzen ausgesetzt sind.

Auftragnehmer

Bei Auftragnehmern ist es theoretisch möglich, Schadensersatz wegen Nichtleistung zu verlangen. Je nach Konstruktion sind dann Ansprüche wegen vergeblich bezahlte Auslagen, wie Reisekosten, wegen Ersatzbeschaffung von Spielern und vielen weiteren Punkten möglich. Problematischer sind Schäden, wenn deswegen ein Sponsor abspringt oder an einem Turnier nicht teilgenommen werden kann.

Schäden müssen nämlich in aller Regel konkret beziffert werden können. Das könnte schwer sein, wenn nur behauptet wird, dass man ein Turnier hätte gewinnen können. Hier kommt es auf die konkrete Situation und die Ausgestaltung der Verträge an.

Auch in Vermarktungsverträgen und in Verträgen als freier Mitarbeiter sind natürlich Vertragsstrafklauseln möglich, die jedoch auch angemessen sein müssen. Zudem ist bei derartigen Verträgen zu beachten, dass diese oft als AGB einzuordnen sind und daher nicht alle Klauseln möglich sind (siehe diesen und diesen Beitrag). Im Falle von Vertragsstrafklauseln sind pauschale Vertragsstrafen nur schwer realisierbar und zudem muss dem Spieler meist eine Anwendungsbefugnis eingeräumt werden, damit eine solche überhaupt zulässig ist.

Und daher

Aufgrund der Unwägbarkeiten sollten Teams vor allem auch Vorsorge treffen. Eine gute Stimmung im Team ist immer noch am wichtigsten. Und auch mit Auswechselspielern sollten immer mehr Team arbeiten, um unternehmerische Risiken abzufangen.

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Veteran

Verfasst von Marian Härtel

Marian Härtel ist spezialisiert auf die Rechtsgebiete Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und IT/IP Recht und hat seinen Schwerpunkt im Bereich Computerspiele, Esport, Marketing und Streamer/Influencer. Er betreut Startups im Aufbau, begleitet diese bei sämtlichen Rechtsproblemen und unterstützt sie im Business Development.

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