Das Wichtigste in Kürze
- Die Kennzeichnungspflicht für Influencer bei Events ist ein komplexes und sich entwickelndes Rechtsgebiet.
- Ohne direkte Gegenleistung (z.B. Kostenübernahme für Reise/Übernachtung) ist eine #Werbung-Kennzeichnung oft nicht notwendig.
- Bei direkter Gegenleistung oder unklarer Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung ist eine Kennzeichnung erforderlich.
- Transparenz ist der sicherste Weg in rechtlichen Grauzonen.
- Kontinuierliche Information über die Rechtsprechung und rechtlicher Rat sind für Akteure im Influencer Marketing essenziell.
Influencer Kennzeichnungspflicht bei Events: Wann ist ein #Werbung notwendig?
Die Debatte rund um die Influencer Kennzeichnungspflicht ist allgegenwärtig. Obwohl die aktuelle Rechtsprechung zunehmend Klarheit schafft, bleibt die Verunsicherung bei vielen Akteuren groß. Daher erreichen mich kontinuierlich Rückfragen von bestehenden und neuen Mandanten zu diesem komplexen Thema.
Die Herausforderung der Werbekennzeichnung bei Events
- Promotion eines Produktes
- Promotion eines Events
- Promotion einer Dienstleistung
Viele dieser Fragen klären wir auch in unserem Leitfaden zur Werbekennzeichnung bei Social Media Angeboten. Doch gerade Events bergen spezielle Fallstricke.
Persönliche Erfahrungen und erste Einschätzung
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Als Rechtsanwalt werde ich zur Vorstellung der Global Masters in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen eingeladen, um mich über ein dreitägiges Event ab dem 17. Juli 2020 zu informieren. Angenommen, ich poste darüber in den sozialen Medien – müsste dieser Beitrag als #Werbung gekennzeichnet werden?
Der Fall ohne direkte Vergütung
In diesem speziellen Fall, wenn ich die Anreisekosten selbst trage und keine direkte Gegenleistung für meinen Post erhalte, wäre eine Kennzeichnung als #Werbung wahrscheinlich nicht erforderlich. Die Einladung an sich bietet keinen finanziellen Vorteil, der die Berichterstattung beeinflussen würde. Die einzigen Vorteile dürften vielleicht kostenlose Getränke und Snacks sein. Diese stehen aber oft in keinem Verhältnis zu den Reisekosten und wären auch ohne eine öffentliche Berichterstattung verfügbar.
Indirekte Vorteile und die Kennzeichnungspflicht
Auch die Möglichkeit, neue Mandanten zu gewinnen, die ich von den Vorteilen meiner Spezialisierung auf Esport- und Gaming-Recht überzeugen könnte, ändert an dieser Einschätzung nichts. Dieser potenzielle Vorteil besteht unabhängig von einem öffentlichen Post. Die Akquise neuer Klienten erfordert weiterhin Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit in persönlichen Gesprächen.
Rechtliche Grauzonen und die Rolle der Gegenleistung
Die Situation ändert sich jedoch grundlegend bei einer direkten Gegenleistung. Wenn der Veranstalter beispielsweise die Reise- und Übernachtungskosten übernimmt und im Gegenzug eine Berichterstattung erwartet, ist dies anders zu bewerten. Hier könnte eine Hinweispflicht auf diese Umstände bestehen. Ein ähnlicher Fall wurde bereits vom OLG Frankfurt zur Influencer Kennzeichnungspflicht bei gesponserten Reisen behandelt, wo die Abgrenzung von journalistischer Tätigkeit und Werbung im Vordergrund stand.
Das Spannungsfeld der Pressefreiheit
Insbesondere ist eine Kennzeichnung erforderlich, wenn für den Konsumenten nicht klar ersichtlich ist, dass es sich um ein Presseevent handelt oder eine unmittelbare Verbindung zwischen einer positiven Berichterstattung und der Übernahme von Kosten besteht. Die Rechtsprechung bewegt sich hier im sensiblen Bereich der Pressefreiheit, weshalb stets die spezifischen Umstände des Einzelfalls – also Ort und Art der Berichterstattung – entscheidend sind.
Betrachtet man diesen Beitrag, so ist es unwahrscheinlich, dass er direkt zur Förderung des Events oder zu zusätzlichen Buchungen führt. Vielmehr lege ich Wert auf Transparenz hinsichtlich der Einladungsbedingungen. Mein anwaltlicher Blog konzentriert sich nicht primär auf die Berichterstattung über fremde Produkte oder Dienstleistungen, sondern auf juristische Fachthemen.
Fazit und Handlungsempfehlungen
Die Notwendigkeit einer Werbekennzeichnung bleibt ein ständiges Thema. Als Influencer, Streamer oder Betreiber eines Blogs beziehungsweise einer Nachrichtenseite ist es in der gegenwärtigen, noch nicht vollständig geklärten Rechtslage ratsam, ein feines Gespür dafür zu entwickeln, welche Veröffentlichungen unproblematisch sind und welche sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Im Zweifelsfall ist Transparenz immer der sicherste Weg.
Es ist entscheidend, sich kontinuierlich über die aktuellen Entwicklungen in der Rechtsprechung zu informieren und im Zweifel rechtlichen Rat einzuholen.