Das Wichtigste in Kürze
- Die KSK-Abgabepflicht betrifft Agenturen und Vermarkter, die Influencer mit künstlerischen Leistungen beauftragen.
- Die Abgrenzung zwischen künstlerischen und nicht-künstlerischen Leistungen ist komplex und erfordert eine sorgfältige Einzelfallprüfung.
- Reine Affiliate-Marketing-Tätigkeiten ohne kreative Elemente sind in der Regel nicht KSK-pflichtig.
- Grauzonen erfordern besondere Aufmerksamkeit, da bereits geringfügiger künstlerischer Charakter die Abgabepflicht begründen kann.
- Eine präzise Vertragsgestaltung, Dokumentation und frühzeitige rechtliche Beratung sind essenziell, um Risiken und Nachforderungen zu vermeiden.
KSK-Abgabepflicht im Influencer Marketing: Was Agenturen und Vermarkter wissen müssen
Auf diesem Blog wurden bereits zahlreiche Artikel rund um das Thema Influencer veröffentlicht. Über die Suchfunktion finden Sie fundierte Beiträge zu verschiedenen Aspekten dieser Branche. Besonders hervorzuheben sind zwei Beiträge zur Künstlersozialkasse (KSK), die einen vertieften Einblick in die sozialversicherungsrechtlichen Besonderheiten für Kreativschaffende bieten.
An diese Grundlagen anknüpfend widmet sich dieser Artikel der Frage, welche Leistungen von Agenturen oder Vermarktern an Influencer der KSK-Abgabepflicht unterliegen und welche nicht. Dies ist ein Thema von erheblicher praktischer Relevanz für alle Akteure im Bereich des Influencer-Marketings.
Künstlerische Leistungen und Künstlersozialabgabe
Nach § 24 Abs. 1 SGB IV besteht eine Pflicht zur Abführung der Künstlersozialabgabe. Dies gilt, wenn Unternehmen Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten vergeben. Künstlerische Tätigkeiten umfassen nach § 2 KSVG insbesondere die darstellende Kunst, Bildende Kunst sowie die Tätigkeit als Designer.
Diese Definition erfasst viele Leistungen von Influencern. Dazu zählen etwa:
- Die Produktion von Videos, Fotos oder Podcasts mit eigenständiger kreativer Gestaltung.
- Die Erstellung von redaktionellen Beiträgen.
- Inszenierungen auf Social-Media-Plattformen, die über eine rein funktionale Darstellung hinausgehen.
Beauftragt eine Agentur einen Influencer mit der Erstellung eines kreativen Beitrags, ist regelmäßig von einer Künstlersozialabgabe auszugehen. Aktuell beträgt diese zusätzliche Belastung 5,0 % (Stand 2025) des Honorars und muss von der Agentur getragen werden. Der Zweck der Abgabe ist es, die soziale Absicherung der selbstständigen Künstler zu gewährleisten und damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Kulturlandschaft zu leisten. Zum Thema Schutz von kreativen Werken ist auch der Artikel Urheberrecht und Vereinslogos relevant.
Für Agenturen bedeutet dies: Bereits bei der Budgetplanung muss berücksichtigt werden, ob und in welchem Umfang zusätzliche Abgaben auf die Honorare anfallen.
Affiliate-Kampagnen: Wann keine Abgabepflicht besteht
Affiliate-Marketing ist im klassischen Sinne nicht als künstlerische Tätigkeit einzustufen. Wird ein Influencer lediglich damit beauftragt, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu empfehlen oder zu verlinken, ohne eine eigenständige kreative Leistung zu erbringen, unterliegt diese Tätigkeit in der Regel nicht der Abgabepflicht.
Entscheidend ist hierbei der tatsächliche Leistungsinhalt:
- Reine Produktempfehlungen oder -platzierungen ohne künstlerische Ausgestaltung sind nicht KSK-pflichtig.
- Die bloße Überlassung von Werbeflächen oder Links fällt ebenfalls nicht unter die Künstlersozialabgabe.
Diese klare Abgrenzung bietet jedoch nur scheinbar Sicherheit. Sobald ein Influencer im Rahmen einer Affiliate-Kampagne eigene kreative Elemente einbringt – etwa durch aufwendig produzierte Videos, innovative Erzähltechniken oder künstlerische Bildgestaltung – kann die Tätigkeit als künstlerische Leistung zu qualifizieren sein.
Grauzonen und Fallstricke
Die Abgrenzung zwischen künstlerischer Leistung und bloßer Werbung ist nicht immer eindeutig. Gerade im Influencer-Marketing verschwimmen die Grenzen zunehmend. Rechtsprechung und Verwaltungsauffassung der Künstlersozialkasse legen bei der Beurteilung einen funktionalen Maßstab an: Maßgeblich ist, ob die Tätigkeit wesentliche kreative und schöpferische Elemente aufweist.
Typische Grauzonen entstehen etwa bei:
- Aufwendig inszenierten „Unboxing“-Videos.
- Selbstproduzierten Musikstücken im Rahmen von Werbekooperationen.
- Stilistisch besonders gestalteten Produktpräsentationen.
In Zweifelsfällen kann die KSK eine eigene Bewertung vornehmen. Dies kann auch rückwirkend zu Nachforderungen führen. Dabei reicht bereits ein geringfügiger künstlerischer Charakter aus, um die Abgabepflicht zu begründen. Weitere Informationen zur Kennzeichnungspflicht finden Sie in unserem Leitfaden: Werbekennzeichnung bei Social Media Angeboten.
Zu beachten ist insbesondere, dass gemäß § 25 Abs. 1 Satz 1 KSVG die Abgabepflicht unabhängig davon besteht, ob dem Unternehmen die Einordnung als künstlerische Leistung bewusst war. Selbst ein gutgläubiges Handeln schützt nicht vor Nachforderungen.
Technologische Entwicklungen und neue Formen der Kreativität
Mit dem technischen Fortschritt entstehen zunehmend neue Formen medialer Inszenierung. Virtual Reality, Augmented Reality oder der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Content-Bereich schaffen neue kreative Ausdrucksformen. Auch hier gilt: Wo eigenständige schöpferische Leistungen erbracht werden, wird eine Abgabepflicht regelmäßig zu prüfen sein.
Gerade Agenturen, die innovative Kampagnen gestalten, sollten frühzeitig prüfen, ob die beauftragten Leistungen potenziell als künstlerisch zu qualifizieren sind.
Praktische Empfehlungen für Agenturen und Vermarkter
Um rechtliche Risiken und unerwartete finanzielle Belastungen zu vermeiden, sollten Unternehmen folgende Maßnahmen ergreifen:
1. Leistungsbeschreibung klar formulieren
Bereits bei der Vertragsgestaltung ist auf eine eindeutige Beschreibung der beauftragten Leistungen zu achten. Kreative Elemente sollten explizit benannt oder ausgeschlossen werden.
2. Verträge dokumentieren und archivieren
Sämtliche Vereinbarungen sollten schriftlich fixiert werden. Wichtige Aspekte umfassen:
- Inhalt und Umfang der Leistung.
- Aufwandsbeschreibung.
- Vergütungsbestandteile getrennt nach künstlerischer und nicht-künstlerischer Leistung.
Eine ordnungsgemäße Dokumentation kann im Falle einer KSK-Prüfung entscheidend sein. Hierzu sind Vertragsmuster ein nützliches Werkzeug.
3. Separate Abrechnung von Nebenkosten
Reisekosten, Sachkosten oder Lizenzgebühren, die keine künstlerische Leistung darstellen, sollten getrennt ausgewiesen werden. So kann verhindert werden, dass diese Beträge irrtümlich der Künstlersozialabgabe unterworfen werden.
4. Frühzeitige rechtliche Beratung einholen
Gerade bei neuartigen Kampagnen oder unklarer Leistungsbeschreibung empfiehlt sich eine rechtliche Prüfung. Ein im Medien- und Sozialversicherungsrecht versierter Anwalt schafft Planungssicherheit und minimiert spätere Risiken.
Fazit
Die Abgrenzung zwischen künstlerischen und nicht-künstlerischen Leistungen im Bereich des Influencer-Marketings ist komplex und verlangt eine sorgfältige Einzelfallprüfung. Agenturen und Vermarkter sind gut beraten, die Thematik nicht zu unterschätzen. Eine rechtssichere Vertragsgestaltung, präzise Dokumentation sowie frühzeitige rechtliche Beratung bilden die Grundlagen, um den Anforderungen der Künstlersozialkasse gerecht zu werden und unnötige finanzielle Belastungen zu vermeiden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Leistungsbeschreibung klar formulieren
Bereits bei der Vertragsgestaltung ist auf eine eindeutige Beschreibung der beauftragten Leistungen zu achten. Kreative Elemente sollten explizit benannt oder ausgeschlossen werden.
- Verträge dokumentieren und archivieren
Sämtliche Vereinbarungen sollten schriftlich fixiert werden. Wichtige Aspekte umfassen: Inhalt und Umfang der Leistung, Aufwandsbeschreibung und Vergütungsbestandteile getrennt nach künstlerischer und nicht-künstlerischer Leistung. Eine ordnungsgemäße Dokumentation kann im Falle einer KSK-Prüfung entscheidend sein.
- Separate Abrechnung von Nebenkosten
Reisekosten, Sachkosten oder Lizenzgebühren, die keine künstlerische Leistung darstellen, sollten getrennt ausgewiesen werden. So kann verhindert werden, dass diese Beträge irrtümlich der Künstlersozialabgabe unterworfen werden.
- Frühzeitige rechtliche Beratung einholen
Gerade bei neuartigen Kampagnen oder unklarer Leistungsbeschreibung empfiehlt sich eine rechtliche Prüfung. Ein im Medien- und Sozialversicherungsrecht versierter Anwalt schafft Planungssicherheit und minimiert spätere Risiken.