Das Wichtigste in Kürze
- Swatting ist ein fingierter Notruf, der darauf abzielt, Streamer zu stören oder zu schädigen.
- In Deutschland können verschiedene Straftatbestände wie Missbrauch von Notrufen, Bedrohung oder Falsche Verdächtigung greifen.
- Neben strafrechtlichen Folgen drohen zivilrechtliche Ansprüche auf Unterlassung und hohe Schadensersatzforderungen.
- Die Kosten für falsche Einsätze und mögliche Folgeschäden müssen vom Täter getragen werden.
- Opfer von Swatting sollten umgehend rechtlichen Beistand suchen.
Was ist Swatting?
Das Swatting ist in den USA zu einer bedauerlichen Unart geworden, die vor allem berühmte Streamer trifft. Doch wie ist dieses Phänomen in Deutschland rechtlich zu bewerten?
Swatting ist ein Kunstwort, das einen fingierten Notfall beschreibt. Ziel ist es, über einen vorgetäuschten Polizeieinsatz meist berühmte Streamer live beim Streaming zu stören oder ihnen sogar zu schaden.
Bekannte Fälle von Swatting
Im August dieses Jahres stürmte beispielsweise ein bewaffnetes Polizeieinsatzkommando in Florida das Haus des „Fortnite“-Weltmeisters Kyle „Bugha“ Giersdorf. Die Anrufer behaupteten, der Spieler habe seinen Vater mit einer Kalaschnikow erschossen und seine Mutter gefesselt in die Garage gesperrt.
Kürzlich traf es auch Cody „Clix“ Conrad. Er wurde Opfer von Swatting, während er die Fortnite Champion Series mit seinem Team spielte und dies live auf Twitch streamte.
Dieses Phänomen ist jedoch keinesfalls auf die USA beschränkt. Auch in Deutschland war bereits der YouTuber Drachenlord betroffen.
Juristische Bewertung von Swatting
Bei derartigen Handlungen kommen verschiedene Straftatbestände in Betracht:
- Eine Strafbarkeit nach § 145 StGB wegen „Missbrauch von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln“.
- Eine Bedrohung im Sinne von § 241 StGB.
- Eine Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten nach § 126 StGB.
- Schließlich ist auch an eine Strafbarkeit wegen „Falscher Verdächtigung“ nach § 162 StGB zu denken.
Diese Strafnormen kommen infrage, wenn durch den Einsatz nichts Gravierendes passiert. Sollte es durch den Polizeieinsatz, etwa als Nebenfolge, zu Körperverletzungen oder gar Todesfällen kommen – wie 2017 in den USA geschehen –, würden noch deutlich schwerwiegendere Strafnormen in Betracht gezogen.
Zivilrechtliche Ansprüche und weitere Folgen
Neben strafrechtlichen Konsequenzen sind auch zivilrechtliche Ansprüche auf Unterlassung denkbar. Insbesondere bei gewerblichen Streamern oder Influencern können Schadensersatzansprüche in erheblicher Höhe entstehen. Dies gilt nicht nur für direkt verursachte Sachschäden.
Auch indirekte Schäden sind relevant, etwa wenn durch den Einsatz Turniere verloren gehen und infolgedessen Sponsoren abspringen. Gleiches gilt, wenn ein konkurrierender Streamer einen solchen Anruf tätigt, womöglich nur als „Scherz“ gedacht. Werden zudem Aufnahmen des Einsatzes auf anderen Kanälen veröffentlicht, sind Verletzungen der jeweiligen Persönlichkeitsrechte zu prüfen. Weitere Informationen dazu finden Sie auch in unserem Artikel zu den Rechtsfragen bei Prank-Videos und Reaction-Videos auf YouTube.
Letztlich sind die Kosten für den falschen Einsatz, inklusive beschädigter Türen oder anderer Sachwerte, vom Anrufer zu tragen. Ein einziger solcher Anruf kann somit ganze Existenzen zerstören.
Grundsätzlich ist festzustellen, dass Swatting weit mehr als ein „dummer Jungenstreich“ ist. Bei Feststellung der Täterschaft kann es zu empfindlichen Haftstrafen und hohen zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen führen.
Hinzu kommt der Umstand, dass der Missbrauch von Notrufen erhebliche Kosten verursacht und im schlimmsten Fall zu Engpässen in echten Gefahrensituationen führen kann.
Opfer von Swatting: So gehen Sie vor
Wer Opfer von Pranks oder Swatting wurde, kann sich jederzeit gerne bei uns melden. Wir klären gemeinsam das beste Vorgehen, um gegen den Verursacher rechtlich vorzugehen.
Fazit
Swatting ist ein schwerwiegendes Delikt mit weitreichenden rechtlichen und finanziellen Konsequenzen für die Täter. Die juristischen Folgen umfassen sowohl strafrechtliche Verfolgung als auch hohe zivilrechtliche Schadensersatzansprüche. Betroffene sollten umgehend rechtlichen Beistand suchen.