Das Wichtigste in Kürze
- Esport-Spieler werden oft fälschlicherweise als Freelancer eingestuft, obwohl sie Arbeitnehmer sein könnten.
- Eine aktuelle Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts verschärft das Risiko der Scheinselbstständigkeit für Spieler und Teams.
- Spieler riskieren hohe Rückzahlungsforderungen, während Teams gegenüber Finanzämtern und Sozialversicherungsträgern haften.
- Interne Konflikte im schnelllebigen Esport-Umfeld können externe Prüfungen auslösen.
- Umfassende rechtliche Beratung vor Vertragsunterzeichnung ist unerlässlich, um rechtliche und finanzielle Risiken zu vermeiden.
Scheinselbstständigkeit im Esport: Risiken für Spieler und Teams
Im Anschluss an unseren früheren Artikel über mögliche Rückforderungsansprüche von Auftraggebern erhielt ich kürzlich eine interessante Anfrage. Ein "Entrepreneur" aus dem europäischen Ausland, der für ein deutsches Team Esport spielt, bat um eine Einschätzung seiner Steuerpflicht in Deutschland. Eine solche Beratung kann ich selbstverständlich leisten.
Die Gefahr der Scheinselbstständigkeit für Esport-Spieler
Allerdings muss ich diesen Esport-Spieler wahrscheinlich darauf hinweisen, dass er bei einer Prüfung der Sozialversicherungsträger höchstwahrscheinlich nicht als "Entrepreneur", sondern als Arbeitnehmer eingestuft wird. Die jüngste Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, über die wir bereits berichtet haben, verdeutlicht dies. Sie zeigt einmal mehr, dass die teils problematische Vertragsgestaltung vieler Esport-Teams erhebliche Haftungsfragen aufwirft, die auch den einzelnen Esport-Spieler betreffen können.
Es gibt keinen Grund, warum ein Esport-Team, im Lichte dieser BAG-Rechtsprechung, keine Rückforderungsansprüche gegenüber einem Spieler geltend machen könnte. Dies gilt insbesondere, wenn folgende Kriterien zutreffen:
- Der Spieler ist über einen längeren Zeitraum exklusiv für ein Team tätig.
- Er ist den Anweisungen des Teams vollständig untergeordnet.
- Vertraglich ist er jedoch lediglich als Freelancer deklariert.
Diese Problematik lässt sich nicht pauschalisieren. Es kommt stark auf die spezifischen Verträge und die genauen Umstände an. Mit dem Bekanntwerden des Urteils steigt jedoch die allgemeine Gefahr der Scheinselbstständigkeit. Ein Esport-Spieler könnte dann schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Stellen Sie sich vor, er müsste die Differenz zwischen den Entgelten seines "Vermarktungsvertrags" und einem üblichen Arbeitnehmergehalt für mehrere Monate oder Jahre zurückzahlen. Solche Forderungen können existenzbedrohend sein.
Risiken für Esport-Teams und die Gefahr externer Prüfungen
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass nur der Spieler bei Scheinselbstständigkeit betroffen ist. Auch das Esport-Team selbst setzt sich erheblichen Risiken aus. Im Falle von Rückforderungen diverser Ansprüche durch Finanzämter und Sozialversicherungsträger wird das Team ebenso angreifbar.
Für alle Beteiligten besteht zudem die Gefahr, dass interne Konflikte zu externen Prüfungen führen können. Gerade wenn man sich irgendwann nicht mehr "grün" ist, was im schnelllebigen Esport-Umfeld tendenziell schneller passiert als in vielen anderen Branchen, steigt das Risiko. Kommt es dann zu Prüfungen durch Betriebsprüfer oder Sozialversicherungsträger beim Team, wird dieses jede Möglichkeit suchen, den finanziellen Schaden gering zu halten und andere Beteiligte mit in die Haftung zu nehmen.
Dringende Empfehlung: Frühzeitige rechtliche Beratung
Daher rate ich dringend dazu, sich bei diesen komplexen Fragen umfassend, gewissenhaft und professionell beraten zu lassen. Dies sollte unbedingt erfolgen, bevor jegliche Vereinbarungen oder Arbeitsverträge im Esport unterzeichnet werden. Studieren Sie zudem die Informationen auf unserem Blog zu diesen Fragen. Insgesamt finden Sie über 100 Artikel zu den Problemkreisen Arbeitsvertrag im Esport, Vermarktung, Steuer- und Sozialversicherungsrecht in diesem Bereich.
Fazit
Die Scheinselbstständigkeit im Esport birgt erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken für Spieler und Teams gleichermaßen. Eine frühzeitige, professionelle Rechtsberatung ist unerlässlich, um diese potenziellen Fallstricke zu vermeiden und eine rechtssichere Vertragsgestaltung zu gewährleisten. Ignorieren Sie die Warnsignale nicht, sondern handeln Sie präventiv.