Esports Europe: Ein Kommentar zur Legitimation | IT-Medienrecht

Erfahren Sie alles über die Gründung von Esports Europe und die Kritik an der Legitimation von Esport-Dachverbänden wie dem ESBD. Jetzt informieren!

Das Wichtigste in Kürze

  • Kritik an der Legitimation von ESBD und Esports Europe aufgrund mangelnder Einbindung wichtiger Akteure und unzureichender Berücksichtigung der Branchenbedürfnisse.
  • Der Fokus auf die Anerkennung als „Sport“ ist oft nicht zielführend für die tatsächlichen rechtlichen und kommerziellen Bedürfnisse der Esport-Branche.
  • Eine breite Zusammenarbeit aller Akteure (Spieler, Teams, Vereine, Hersteller, Berater) ist entscheidend für eine glaubwürdige und effektive Interessenvertretung.
  • Es ist notwendig, sich von alten Modellen zu lösen und stattdessen innovative Ziele und Strukturen für die Esport-Industrie zu entwickeln.
  • Der Autor bietet seine Expertise zur gemeinsamen Stärkung und Optimierung der Esport-Strukturen an, da die Zeit drängt und interne Zerfleischung niemandem nützt.

Kommentar zur Gründung des europäischen Esport-Dachverbands: Legitimation und Herausforderungen

Die Gründung eines europäischen Dachverbands im Esport hat jüngst für Aufsehen gesorgt. Mein Kommentar befasst sich kritisch mit den Umständen dieser Gründung und der Frage nach deren Legitimation. Der neue europäische Verband wurde zwar aus bestehenden nationalen Verbänden ins Leben gerufen, doch auch diese kämpfen oft mit Legitimationsproblemen.

Ein Beispiel hierfür ist der ESBD in Deutschland. Seine Gründung erfolgte weitgehend abseits der Öffentlichkeit und hat viele Akteure der Esport-Branche in Deutschland vor den Kopf gestoßen und außen vor gelassen.

Dem ESBD und seinem Vorsitzenden Hans Jagnow muss man zugutehalten, dass sie überhaupt den Versuch unternommen haben, den Esport zu vertreten und Strukturen aufzubauen. Obwohl die Kritik, oft nicht unberechtigt, groß ist, gab es zuvor niemanden, der diese Aufgabe besser bewältigen konnte.

Herausforderungen der Verbandslegitimation im Esport

An dieser Stelle enden meiner Meinung nach jedoch die Lobeshymnen. Der ESBD steht, auch von meiner Seite als Esport-Anwalt, weiterhin nicht ohne Kritik da.

Fehlende Einbindung wichtiger Akteure

Meiner Meinung nach hat es der ESBD seit seiner Gründung vor etwa zwei Jahren versäumt, das Problem der fehlenden Legitimation zu beheben. Wichtige Akteure wurden nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen. Stattdessen entsteht der Eindruck, der Verband diene eher dem Bekanntheitsgrad und der Arbeit einiger weniger Personen als der Esport-Branche insgesamt. Dies führt zu einem Glaubwürdigkeitsproblem, obwohl die Esport-Branche dringend eine umfassende Interessenvertretung benötigt. Eine solche Vertretung muss alle Player der Branche miteinbeziehen, nicht nur eingetragene Vereine.

Der ESBD hat dies aus meiner Sicht versäumt. Zumindest ist die Außenkommunikation in diesem Punkt mangelhaft.

Unzureichende Berücksichtigung der Branchenbedürfnisse

Darüber hinaus hat es der ESBD versäumt, auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Esport-Branche einzugehen. Bislang konnte er regionalen Vereinen keine umfassende Rechtssicherheit bieten. Auch für Profi-Vereine mit kommerziellen Interessen wurden keine ausreichenden Grundlagen geschaffen, um in Deutschland bei der Weltspitze mitzuspielen oder auf einen breiten Talentpool zurückzugreifen.

Meine Blog-Artikel zur Esport-Politik und zum DOSB-Gutachten erhielten viel Zuspruch, brachten mir aber auch Kritik als „Nestbeschmutzer“ ein. Obwohl ich zahlreiche Spielerverträge für Teams konzipiert und Beratungen durchgeführt habe, werde ich vom ESBD weitgehend ignoriert. Dies ist für mich persönlich zwar unerheblich, da meine Mandanten meine Arbeit schätzen. Es könnte jedoch als ein weiteres Beispiel für den fehlenden Fokus des Verbandes gewertet werden.

Die Gründung von Esports Europe: Eine kritische Betrachtung

Ich bin mir unsicher, ob Esports Europe nicht eine Totgeburt ist. Es ist fraglich, ob der Verband jemals eine breite Legitimation in der Branche erreichen wird. Auf der offiziellen Website sind beispielsweise Logos eines einzigen Turnieranbieters und sogar einer PR-Agentur prominent platziert. Dies erweckt den Eindruck, dass auch dieser europäische Verband eher den Interessen einiger weniger als dem gesamten Esport dient. Solche Gründungen, bei denen einzelne Akteure wie Spieleanbieter den Vorsitz haben, sind bereits weltweit problematisch.

Des Weiteren fehlen im Dachverband nicht nur wichtige Akteure aus dem Profibereich, sondern auch jegliche Spielehersteller als Mitglieder. Es bleibt unklar, wie sich der Verband mit dieser Aufstellung gegenüber der Politik als Branchenvertreter rechtfertigen will. Vielmehr könnte ihm vorgeworfen werden, ausschließlich die Interessen weniger zu vertreten, beispielsweise der ESL als Gründungsmitglied. Dies betrachte ich als schwerwiegendes politisches Problem.

Wege zur Stärkung der Esport-Interessenvertretung

Die bestehenden Probleme müssen gemeinsam und im Dialog gelöst werden. Ein Alleingang einzelner Personen oder Führungskräfte aus regionalen Vereinen ist nicht zielführend. Nur durch eine breite Zusammenarbeit kann Relevanz gegenüber der Politik geschaffen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schärfung des Fokus. Es ist notwendig, sich vom dogmatischen Festhalten am Sportgedanken zu lösen und stattdessen die tatsächlichen Herausforderungen anzugehen. Ein Interessenverband der Esport-Industrie sollte eigene, innovative Ziele verfolgen und Strukturen aufbauen, anstatt alte Modelle digital nachzubilden. Dieser Ansatz ist zum Scheitern verurteilt, wie die bisher geringe Zielerreichung des ESBD zeigt. Eine offene Diskussion und ehrliche Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren der Branche hätte deutlich mehr Erfolge ermöglichen können. Allerdings würde dies auch bedeuten, dass einzelne Personen weniger Einfluss hätten. Ob sich die führenden Persönlichkeiten zukünftig öffnen, wird das Schicksal des ESBD und von Esports Europe maßgeblich beeinflussen.

Fazit

Als Anwalt berate ich sowohl Profiteams als auch kleinere Esport-Teams. Obwohl diese Beratung für mich oft nicht rein wirtschaftlich motiviert ist, möchte ich betriebswirtschaftliche und juristische Strukturen etablieren. Mein Ziel ist es, den Esport nachhaltig voranzubringen. Gerne reiche ich dem Verband erneut die Hand, um gemeinsam die bestehenden Strukturen zu optimieren und die Esport-Branche insgesamt zu stärken.

Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Zeit drängt. Die überraschende Gründung des europäischen Dachverbands hat in der Branche viel Porzellan zerschlagen. Derzeit ist unklar, wie viel davon noch zu reparieren ist.

Ich hoffe sehr, dass das erhaltene Feedback zu einer konstruktiven Diskussion und, noch wichtiger, zu einer engeren Zusammenarbeit führt. Die Esport-Branche muss zusammenwachsen und sich weiter etablieren. Eine interne Zerfleischung würde letztlich niemanden zugutekommen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Hauptkritik an der Gründung von Esports Europe und dem ESBD?
Die Hauptkritikpunkte sind die mangelnde Legitimation durch unzureichende Einbindung wichtiger Akteure der Branche sowie die unzureichende Berücksichtigung der tatsächlichen Branchenbedürfnisse. Dies führt zu einem Glaubwürdigkeitsproblem und dem Eindruck, dass die Verbände eher den Interessen einiger weniger dienen.
Warum ist die Anerkennung des Esport als Sport nicht immer zielführend?
Für die Rechtssicherheit gemeinnütziger Vereine ist die Anerkennung als Sport nicht zwingend notwendig, und für professionelle Esport-Vereine mit kommerziellen Interessen ist sie irrelevant. Der Autor argumentiert, dass der Fokus stattdessen auf den tatsächlichen Herausforderungen und Bedürfnissen der Branche liegen sollte.
Welche Akteure sollten in eine Esport-Interessenvertretung eingebunden werden?
Eine umfassende Interessenvertretung muss alle Player der Branche miteinbeziehen, darunter Spieler, Profiteams, eingetragene Vereine, Agenturen, Spielehersteller und Berater. Nur so kann eine breite Legitimation und Relevanz gegenüber der Politik geschaffen werden.
Welche Projekte hat der ESBD initiiert?
Der ESBD initiierte diverse Projekte, darunter Trainerausbildungen, Turnierserien und Fachkonferenzen. Gleichzeitig wurde jedoch viel politisches Kapital in die Anerkennung des Esport als Sport investiert.
Was schlägt der Autor zur Stärkung der Esport-Interessenvertretung vor?
Der Autor schlägt eine breite Zusammenarbeit aller Akteure vor, eine Abkehr vom dogmatischen Festhalten am Sportgedanken und die Entwicklung eigener, innovativer Ziele und Strukturen, die auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Esport-Industrie zugeschnitten sind.