Vertragsprüfung: Nie ohne Anwalt unterschreiben | IT-Medienrecht

So schützen Sie sich: Erfahren Sie, warum Sie Verträge nie ohne Rechtsanwalt unterschreiben sollten. Wichtige Tipps zur Vertragsprüfung im IT- und…

Das Wichtigste in Kürze

  • Niemals einen Vertrag ohne vorherige anwaltliche Prüfung unterschreiben, um Risiken zu minimieren.
  • Verträge in der Spieleentwicklungsbranche enthalten oft komplexe Klauseln, die Entwickler massiv benachteiligen können.
  • Problematische Vertragspassagen können von geringen Einnahmen bis hin zur Insolvenz des Studios führen.
  • Eine frühzeitige anwaltliche Prüfung identifiziert Fallstricke und schützt vor weitreichenden negativen Konsequenzen, auch wenn keine böse Absicht vorliegt.

Vertragsprüfung für Spieleentwickler: Warum anwaltliche Unterstützung unerlässlich ist

Seit über 20 Jahren bin ich in der Computerspielbranche tätig, davon über 12 Jahre als Rechtsanwalt. Mein umfangreiches nationales und internationales Netzwerk sowie die Vielzahl an Publishing- und Kooperationsverträgen, AGB für Onlinespiele und anderen Dokumenten, die ich in dieser Zeit geprüft habe, bestätigen eine grundlegende Wahrheit:
Es ist extrem wichtig, niemals einen Vertrag zu unterschreiben, ohne ihn zuvor von einem Rechtsanwalt prüfen zu lassen.

Natürlich erhält man für diese Aussage manchmal negatives Feedback im Stil von „Klar, du willst als Rechtsanwalt ja nur verdienen!“. Umso mehr freut es mich, wenn andere Branchenveteranen dieselbe Meinung vertreten.

Die Bestätigung durch Ralf Adam von Tiger Team Productions

Ein herausragendes Beispiel ist Ralf Adam von Tiger Team Productions. Viele in der deutschen Branche kennen ihn von zahlreichen Vorträgen auf Events. Kürzlich hielt er auf der Devcom in Köln einen Vortrag mit dem Titel „10 surefire ways to screw up your studio“ oder „10 todsichere Möglichkeiten, dein Studio zu vermasseln.“

Punkt 2 unter „Planning ahead“ in seiner Präsentation war für mich besonders erfreulich:

Screenshot einer Präsentationsfolie von Ralf Adam mit der Aussage 'Do not hire a Lawyer to check your Contracts' aus dem Vortrag '10 surefire ways to screw up your studio'

Die gesamte Präsentation finden Sie hier auf Slideshare.

Diese Präsentation und insbesondere Ralf Adams Aussage waren zu gut, um sie hier im Blog unerwähnt zu lassen. Gleichzeitig möchte ich den Lesern die Bedeutung dieser 10 Punkte näherbringen.

Warum eine anwaltliche Vertragsprüfung für Spieleentwickler unerlässlich ist

Ich kann diese Aussage aus vollem Herzen unterstützen, und zwar nicht nur aus Gründen der Mandatsgewinnung. Vielmehr wird dieser Punkt häufig unterschätzt. Im letzten Jahrzehnt habe ich unzählige Klauseln in Publishingverträgen oder Kooperationsverträgen gesehen, die einem Spieleentwickler das Genick brechen können. Dazu gehören beispielsweise Klauseln, die folgende problematische Auswirkungen haben können:

Darüber hinaus gibt es viele weitere Fallstricke.

Oft liegt seitens des Publishers oder Partners gar keine böse Absicht vor. Häufig sind Verträge auch insgesamt in Ordnung oder im Rahmen der zu erwartenden Umsätze und sonstigen Umstände betriebswirtschaftlich vertretbar. In solchen Fällen können Mandanten von mir erwarten, dass ich keine unnötigen Änderungen vornehme, die nur unnötig Kosten verursachen.

Fazit

Eine frühzeitige anwaltliche Prüfung von Verträgen lohnt sich also in jedem Fall und kann viele Risiken minimieren. Mehr Informationen zu meiner Person und dem Gamesrecht finden Sie übrigens auf dieser Seite.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist eine anwaltliche Vertragsprüfung für Spieleentwickler unerlässlich?
Eine anwaltliche Vertragsprüfung ist für Spieleentwickler unerlässlich, da sie vor Klauseln schützen kann, die das Studio finanziell oder rechtlich stark benachteiligen. Viele Verträge enthalten Fallstricke, die ohne juristisches Fachwissen schwer zu erkennen sind und weitreichende negative Folgen haben können. Dies sichert die wirtschaftliche Zukunft des Studios.
Welche problematischen Klauseln können in Verträgen für Spieleentwickler vorkommen?
Problematische Klauseln können dazu führen, dass Entwickler kaum Einnahmen erzielen, den Publisher massiv bevorteilen, die Verfolgung von Ansprüchen erschweren oder nach europäischem Urheberrecht unwirksam sind. Sie können auch extreme Probleme mit Rechteinhabern, Sozialversicherungsträgern oder steuerrechtliche Schwierigkeiten verursachen.
Haben Publisher immer böse Absichten, wenn problematische Klauseln in Verträgen auftauchen?
Nein, oft liegt seitens des Publishers oder Partners gar keine böse Absicht vor. Manchmal sind Verträge auch insgesamt in Ordnung. Eine Prüfung stellt sicher, dass auch unbeabsichtigte Fallstricke erkannt und behoben werden, ohne unnötige Änderungen vorzunehmen.