Esport AG: Vorteile & Nachteile | IT-Medienrecht

Erfahren Sie, ob eine Esport AG die richtige Rechtsform für Ihre Organisation ist. Entdecken Sie jetzt alle Vorteile & Nachteile der Aktiengesellschaft im…

Das Wichtigste in Kürze

  • Die AG-Rechtsform ermöglicht eine wesentlich einfachere Veräußerung von Unternehmensanteilen (Aktien) als die GmbH.
  • Die Gründung einer AG ist formaler und erfordert ein Mindestgrundkapital von 50.000 Euro.
  • AGs sind mit höheren laufenden Kosten und einem erhöhten Verwaltungsaufwand verbunden.
  • Die AG ist vorteilhaft für die Gewinnung von Investoren und die Beteiligung von Mitarbeitern.
  • Eine AG eignet sich für professionelle Esport-Organisationen mit hohem Professionalisierungsgrad, signifikantem Investment und hohen Einnahmen.

Esport als Aktiengesellschaft wird kommen

Eine der erfolgreichsten Esport-Organisationen aus Europa, Astralis aus Dänemark, hat gerade angekündigt, an die Börse gehen zu wollen. Wäre ein solcher Schritt für eine Esport-Organisation als Aktiengesellschaft auch in Deutschland denkbar?

Im Grunde ja, aber welche Voraussetzungen sind dafür nötig? Neben wirtschaftlichem Erfolg sind vor allem juristische Rahmenbedingungen entscheidend. Obwohl ich nicht tief in die komplexen Details eines Börsengangs eintauchen möchte, ist eine grundlegende Voraussetzung klar: Die Organisation muss gesellschaftsrechtlich als Aktiengesellschaft (AG) strukturiert sein.

Der Hauptgrund dafür ist die einfache Übertragbarkeit von Unternehmensanteilen bei einer AG. Im Gegensatz dazu erfordert jede Übertragung von Anteilen bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) eine notarielle Beglaubigung und die Meldung an das Handelsregister. Dies stellt einen erheblichen Unterschied in der Flexibilität dar. Um mehr über die richtige Rechtsform zu erfahren, lesen Sie auch unseren Artikel Welche Rechtsform als Esport Team?

Gründung einer Aktiengesellschaft (AG)

Die Gründung einer Aktiengesellschaft ist an zahlreiche Regeln und Vorschriften gebunden. Der Prozess beginnt, ähnlich wie bei einer GmbH, mit der Erstellung einer Satzung. Diese Satzung regelt wesentliche Aspekte wie:

Anschließend verpflichten sich alle Aktionäre zur Übernahme der Aktien. Dies gleicht der Übernahme von Gesellschafteranteilen bei einer GmbH. So wird das notwendige Grundkapital für die Aktiengesellschaft aufgebracht, welches laut § 7 AktG mindestens 50.000 Euro betragen muss. Für weitere Details zum GmbH-Stammkapital können Sie hier mehr erfahren.

In der ersten Aufsichtsratssitzung, die ebenfalls notariell beurkundet wird, erfolgen wichtige Bestellungen. Hier werden der Vorsitzende des Aufsichtsrats sowie dessen Stellvertreter, der Abschlussprüfer und der Vorstand ernannt.

Herausforderungen der AG als Rechtsform

Die Gründung einer Aktiengesellschaft ist initial deutlich formaler und komplexer als die einer GmbH. Auch im laufenden Betrieb entstehen mitunter höhere Kosten, beispielsweise für Formalien und Steuerberatung. Dies liegt an den umfassenderen Anforderungen an Bilanzierung und Jahresabschlüsse.

Zu den weiteren Nachteilen gehören:

Die AG-Rechtsform ist daher für semiprofessionelle Projekte ungeeignet.

Dennoch bietet die Aktiengesellschaft auch klare Vorteile gegenüber einer GmbH. Jede Rechtsform in Deutschland hat spezifische Vor- und Nachteile, die sorgfältig abgewogen werden müssen, um die passende Struktur für die Unternehmensziele und -anforderungen zu finden.

Vorteile von Esport-Organisationen als Aktiengesellschaft

Ein wesentlicher Vorteil der Aktiengesellschaft ist die wesentlich einfachere Veräußerung von Unternehmensanteilen in Form von Aktien. Anders als bei der GmbH ist für den Verkauf von Aktien keine notarielle Beurkundung erforderlich, und die Veräußerung muss nicht dem Handelsregister angezeigt werden.

Bei der Ausgabe von Namensaktien werden die Inhaber in einem Aktienbuch geführt. Änderungen bei einem Anteilsverkauf müssen dort eingetragen werden. Erst nach dieser Eintragung kann der neue Inhaber seine Rechte vollständig wahrnehmen. Eine spezielle Form sind vinkulierte Namensaktien, bei denen die Aktiengesellschaft einem Besitzerwechsel sogar zustimmen muss.

Obwohl dies nur ein kurzer Überblick über das Aktienrecht ist, wird der immense Vorteil deutlich: Anteile an der Esport-Organisation lassen sich als Aktien wesentlich einfacher an Investoren veräußern als GmbH-Anteile. Dies eröffnet größere Kapitalisierungsmöglichkeiten.

Dieser Vorteil erstreckt sich auch auf andere Leistungsträger. Spieler, Coaches oder Mitarbeiter können leichter am Unternehmen beteiligt werden, etwa durch Arbeitszeitkonten oder Slicing the Pie-Vereinbarungen. Für die Gewinnung von Investoren ist eine AG oft vorteilhafter. Mehr dazu finden Sie unter Juristische Vorbereitung auf die erste Investmentrunde.

Des Weiteren ermöglicht die AG-Struktur die flexible Beteiligung von Teams in bestimmten Spielen, beispielsweise durch die Ausgliederung in Tochtergesellschaften.

Ebenso ist die oft erhöhte Reputation einer Aktiengesellschaft, auch wenn nicht immer sachlich begründet, ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Fazit

Obwohl die Gründung einer Aktiengesellschaft komplexer ist als die einer GmbH, könnte sie zukünftig eine attraktive Rechtsform für Esport-Organisationen darstellen. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die ein hohes Maß an Professionalität, initiales Investment und entsprechend hohe Einnahmen aufweisen.

Angesichts des großen Potenzials für professionell gemanagte Organisationen mit solider Finanzierung und erfahrenem Management in Deutschland und Europa, ist eine sorgfältige Evaluierung der Vor- und Nachteile dieser Rechtsform ratsam.

Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Häufig gestellte Fragen

Warum sollte eine Esport-Organisation die Rechtsform einer AG wählen?
Der Hauptgrund für die Wahl einer AG ist die einfache Übertragbarkeit von Unternehmensanteilen in Form von Aktien, was im Gegensatz zur GmbH keine notarielle Beglaubigung erfordert. Dies erhöht die Flexibilität bei der Kapitalbeschaffung und der Beteiligung von Investoren.
Welches Mindestkapital ist für die Gründung einer Aktiengesellschaft erforderlich?
Für die Gründung einer Aktiengesellschaft ist laut § 7 AktG ein Mindestgrundkapital von 50.000 Euro erforderlich. Dieses Kapital wird durch die Übernahme der Aktien durch die Aktionäre aufgebracht.
Welche Nachteile hat die Rechtsform der AG im Vergleich zur GmbH?
Eine AG ist initial komplexer und formaler in der Gründung. Im laufenden Betrieb entstehen höhere Kosten durch umfassendere Anforderungen an Bilanzierung, Jahresabschlüsse, zahlreiche Publikationspflichten, erhöhten Administrationsaufwand und höhere Beratungskosten.