Das Wichtigste in Kürze
- Der Arbeitnehmerstatus von Esport-Spielern hängt von den tatsächlichen Umständen der Tätigkeit und dem Grad der persönlichen Abhängigkeit ab, nicht primär von der Vertragsbezeichnung.
- Bei internationalen Esport-Teams ist die Bestimmung des anwendbaren Rechts komplex; eine explizite Rechtswahl im Vertrag ist zur Schaffung von Rechtssicherheit unerlässlich.
- Kriterien wie Weisungsgebundenheit (Wo, wann, wie gespielt wird, Sponsoring-Pflichten, Streaming-Vorgaben) und der Ort der Tätigkeit (Gaminghaus, Vorgaben für Online-Tätigkeit) sind entscheidend für die Einordnung als Arbeitnehmer.
- Gerade bei professionellen Esport-Teams, bei denen Spieler ihren Lebensunterhalt verdienen, wird nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts oft von einer Arbeitsleistung ausgegangen.
- Eine fundierte juristische Vorbereitung und individuelle Vertragsgestaltung sind für Esport-Teams und Spieler von großer Bedeutung, um rechtliche Risiken zu minimieren.
Die Komplexität des Arbeitnehmerstatus von Esport-Spielern
Die Frage, ob ein Esport-Team einen Spieler als Angestellten oder Auftragnehmer betrachten sollte, ist komplex und wird oft missverstanden. Grundsätzlich lässt sich der sozialversicherungsrechtliche Status nämlich nicht einfach vertraglich festlegen. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können diesen Status verbindlich regeln. Der tatsächliche Arbeitnehmerstatus von Esport-Spielern hängt vielmehr ausschließlich von den konkreten Umständen ihrer Tätigkeit für das Team ab.
Abgrenzung: Arbeitnehmer versus Auftragnehmer
Ein Spieler gilt als selbstständig, wenn er seine Tätigkeit, seinen Arbeitsort und seine Arbeitszeit im Wesentlichen frei bestimmen kann. Bei einer abhängigen Beschäftigung hingegen existieren mehr Verpflichtungen. Daraus ergeben sich für den Arbeitgeber Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten.
Der Grad der persönlichen Abhängigkeit ist entscheidend für die Abgrenzung. Diese kann im Detail sehr kompliziert sein. Eine wirklich endgültige Klärung ist oft nur durch ein Statusfeststellungsverfahren möglich. Mehr zu den Feinheiten der sozialversicherungsrechtlichen Abgrenzung finden Sie in unserem Beitrag Kein Ausschluss von Sozialversicherungspflicht durch Vertragsbeziehung mit Ein-Personen-Kapitalgesellschaft!
Internationale Herausforderungen im Esport
Im Esport wird die Situation zusätzlich kompliziert. Viele Esport-Teams bestehen aus Spielern, die ihren Wohnsitz in verschiedenen EU-Ländern oder sogar außerhalb der EU haben. Hier muss oft zuerst geprüft werden, welches Recht überhaupt Anwendung findet. Dies kann sich als äußerst komplex erweisen.
Die Bedeutung der Rechtswahl
Wenn im Vertrag keine explizite Rechtswahl getroffen wurde oder eine solche Wahl nicht zulässig ist, bestimmt sich das anwendbare Recht für Individualarbeitsverträge nach Art. 8 Rom-I-VO:
Soweit das auf den Arbeitsvertrag anzuwendende Recht nicht durch Rechtswahl bestimmt ist, unterliegt der Arbeitsvertrag dem Recht des Staates, in dem oder andernfalls von dem aus der Arbeitnehmer in Erfüllung des Vertrags gewöhnlich seine Arbeit verrichtet. Der Staat, in dem die Arbeit gewöhnlich verrichtet wird, wechselt nicht, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeit vorübergehend in einem anderen Staat verrichtet.
Zwar wird hin und wieder die Auffassung vertreten, dass es bei der Frage, wo die Arbeit verrichtet wird, auf den Sitz des Teams ankommen könnte. Dies wird damit begründet, dass von dort die Anweisungen ausgehen. Dies dürfte jedoch nicht die Mehrheit der Rechtsmeinung darstellen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Arbeit dort verrichtet wird, wo der Spieler die meiste Zeit seinen Computer bedient.
Ist dies der Fall, wird die Situation sehr kompliziert. Daher sollte, wo immer möglich, eine Rechtswahl getroffen werden. So kann sich die Arbeitnehmereigenschaft in Deutschland nach § 611a BGB bestimmen. Weitere Informationen zu wichtigen Arbeitsrechtsregelungen finden Sie in unserem Blog.
Kriterien für den Arbeitnehmerstatus im Esport
Gerade bei Profi-Teams, bei denen der Spieler von der Tätigkeit seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, ist nach dem Bundesarbeitsgericht von einer Arbeitsleistung auszugehen. Dies entspricht den Urteilen zu Leistungssportlern. Dies dürfte erst recht für Spieler aus anderen Ländern gelten, in denen die Professionalisierung des Esport noch deutlich weiter fortgeschritten ist als in Deutschland. Auch Spieler aus anderen Ländern müssen sich sodann an den Kriterien messen lassen, ob eine Arbeitnehmereigenschaft vorliegt oder nicht.
Wie bereits dargestellt, ist dabei eines der wichtigsten Kriterien, ob der Spieler zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit für das Team verpflichtet ist (§ 611a I 1 BGB). Das dürfte gerade bei den Profi-Teams der Fall sein, da keine andauernden "Dienstanweisungen" vorhanden sein müssen. Relevant ist zudem auch hier der Ort der Tätigkeit.
Ein Gaminghaus, selbst bei zeitweiser Nutzung, führt wohl in den meisten Fällen zur Bejahung dieses Kriteriums. Doch auch die reine Tätigkeit über das Internet kann eine Ortsbezogenheit aufweisen. Dies ist der Fall, wenn die Art und Weise, Zeiten und die Ausstattung des "Arbeitsplatzes" vorgegeben oder gar gestellt werden. Weitere Aspekte der Weisungsgebundenheit umfassen:
- Wo, wann und wie soll ein Spieler spielen?
- Welche Sponsorings muss er durchführen?
- Was, wann und wie muss er streamen?
- Wie muss er sich nennen und präsentieren?
Generell gilt, dass auch im Ausland tätige Influencer und Esportler deutsche Gesetze beachten müssen, wie unser Artikel Influencer im Ausland: Kein Freifahrtschein vor deutschen Gesetzen erläutert.
Gestaltungsmöglichkeiten für Esport-Teams
Gerade für Teams, die aus verschiedenen Gründen vermeiden möchten, dass ihre Spieler als Arbeitnehmer eingestuft werden könnten, gibt es Gestaltungsmöglichkeiten. Insbesondere bei international tätigen Spielern können an den oben genannten Stellschrauben Anpassungen vorgenommen werden. Dabei sind jedoch stets die diversen Vor- und Nachteile zu beachten.
Eine fundierte juristische Vorbereitung und individuelle Vertragsgestaltung sind hier entscheidend. Unser Blogbeitrag Warum sind Verträge wichtig? unterstreicht die Bedeutung klarer Vereinbarungen.
Fazit
Die rechtliche Einordnung von Esport-Spielern als Arbeitnehmer oder Auftragnehmer ist eine vielschichtige Herausforderung, besonders im internationalen Kontext. Sie hängt von den konkreten Umständen der Tätigkeit und dem Grad der persönlichen Abhängigkeit ab. Eine vorausschauende Vertragsgestaltung und die Berücksichtigung internationaler Rechtsnormen sind unerlässlich, um Teams und Spielern Rechtssicherheit zu gewährleisten.