Das Wichtigste in Kürze
- Detaillierte und schriftliche Verträge sind für professionelle Esport-Spieler unerlässlich, um Sicherheit zu schaffen und ein faires Miteinander zu fördern.
- Zentrale Vertragspunkte umfassen Rechte und Pflichten, Vergütungsmodelle (Festgehalt und variabler Anteil), Reisekosten, Urlaubs- und Arbeitszeiten sowie Regelungen zu Team-Ausstattung und Verhaltensregeln.
- Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen wie Sozialversicherung, Nebenbeschäftigungen und die Folgen bei Vertragsübergang oder -beendigung müssen präzise geregelt werden.
- Spieler sollten ihre Verträge sorgfältig prüfen, alle Punkte verhandeln und bei Unsicherheiten stets fachkundigen Rechtsbeistand suchen.
- Die Wahl des Gerichtsstands und des anwendbaren Rechts kann bei internationalen Verträgen erhebliche Auswirkungen auf mögliche Streitigkeiten und Kosten haben.
Spielerverträge im Esport: Was Sie beachten sollten
In der Vergangenheit war es unüblich, dass Spieler eigene Verträge mit Esport-Clubs, Vereinen oder Clans hatten. Ein Großteil der Esport-Szene bewegte sich im Hobbybereich. Im Höchstfall konnte das Ganze als semiprofessionell bezeichnet werden, etwa weil Spieler eigene Einnahmen über YouTube oder Twitch generierten oder es informelle Absprachen zur "fairen" Teilung von Turniergewinnen gab.
Grundsätzlich ist es für professionelle Spieler jedoch unerlässlich, einen detaillierten Vertrag aufzusetzen, zu verhandeln und zu unterschreiben. Auch wenn dies in vielen Fällen noch nicht die Norm ist, muss man als Jurist dringend von einer bloßen mündlichen Vereinbarung abraten. Verträge schaffen in aller Regel Sicherheit und fördern ein faires Miteinander.
Die folgende Aufzählung beleuchtet zehn zentrale Problembereiche, die aus rechtlicher Sicht bei der Gestaltung von Spielerverträgen im Esport von Bedeutung sind. Es ist nicht zwingend notwendig, jedes Problem einzeln zu regeln; Themenkomplexe können zusammengefasst werden. Entscheidend ist, dass Spieler ein Bewusstsein für die Vertragsgestaltung entwickeln. Im Zweifel sollte immer ein Rechtsbeistand kontaktiert werden. Unnötige Wiederholungen zu Parteien, Kündigungsfristen und Ähnlichem werden in diesem Artikel vermieden, da sie in allgemeineren juristischen Abhandlungen behandelt werden.
Rechte und Pflichten im Esport
- Das Spiel, das gespielt wird, sowie die genauen Aufgaben und der Zeitaufwand des Spielers.
- Aktivitäten in Social Media Kanälen, auf Streaming-Plattformen und bei Events.
- Teilnahmeverpflichtungen an Online- und Offline-Turnieren.
- Details zu Reisekosten, möglicher Krankheit oder technischen Störungen sowie deren Prävention.
- Regelungen für Änderungen von Aufgaben und Organisationsstrukturen.
- Vertragliche Folgen bei Pflichtverletzungen.
Weitere wichtige Punkte in diesem Abschnitt sind:
- Teilnahmeverpflichtungen an Online- und Offline-Turnieren.
- Details zu Reisekosten, möglicher Krankheit oder technischen Störungen sowie deren Prävention.
- Regelungen für Änderungen von Aufgaben und Organisationsstrukturen.
- Vertragliche Folgen bei Pflichtverletzungen.
Die Rechte der Spieler sind dabei ebenso wichtig wie ihre Pflichten. Es empfiehlt sich, zwischen allgemeinen Rechten und der Vergütung des Spielers zu unterscheiden.
Vergütung im Esport-Vertrag
Ein zentraler Aspekt ist die Vergütung des Spielers: Wie, wann und von wem wird bezahlt? Die Vergütung sollte sich idealerweise aus einem Festgehalt für die Vertragslaufzeit und einem variablen Anteil zusammensetzen. Der variable Anteil errechnet sich in der Regel aus einem Prozentsatz der Werbeeinnahmen der gesamten Organisation, Turniergewinnen und Sponsorengeldern.
Ist der Spieler zusätzlich als Streamer aktiv, sollte klar geregelt sein, wer welche Einnahmen aus den jeweiligen Plattformen erhält. Zu den Vergütungsregelungen gehören auch alle Zahlungsmodalitäten. Unter Umständen ist auch zu definieren, was bei Vertragsverletzungen, Verstößen gegen allgemeine Verhaltensregeln oder bei einer Schädigung des Vereins durch den Spieler geschieht.
Seriöse Verträge sollten zudem Aspekte wie Zahlungsausfälle des Vereins, Zinsen und Klagemöglichkeiten berücksichtigen. Boni, die bei Erreichen bestimmter Ziele (z.B. Turniererfolge, Social-Media-Reichweite) fällig werden, gehören ebenfalls dazu. Bei der Vereinbarung eines Gehalts sind sowohl gesetzliche Regeln als auch Vorgaben von Spielbetreibern wie "Riot" zu beachten. Zudem ist zu klären, wie sich die Vergütung bei Spielpausen oder Team-Auf- bzw. Abstiegen in Ligen verändert.
Vertragsort und Reisekosten
Der Vertrag sollte festlegen, wo und wie der Spieler für den Verein agiert. Fragen wie die Existenz eines "Clubhauses", die Durchführung digitaler Aktivitäten oder die Organisation von Trainingslagern sind hier relevant. Bei internationalen Vereinigungen schließen sich daran unmittelbar Fragen nach Gerichtsstand und anwendbarem Recht an.
Es ist auch denkbar, dass ein Spieler für einen neuen Vertrag seinen Wohnort wechselt und das Team sich an den dadurch entstehenden Kosten beteiligt.
Urlaub und Arbeitszeiten
Professionelle Esport-Teams sollten auch Regelungen zu Urlaub und Arbeitszeiten treffen. Erholungsphasen sind, wie in traditionellen Arbeitsverträgen, entscheidend für die Leistungsfähigkeit. Bei internationalen Vereinen sind Zeitzonen zu berücksichtigen.
Diese Regelungen können flexibel gestaltet werden und Überstunden beinhalten. Gegebenenfalls müssen jedoch gesetzliche Vorgaben zur täglichen Stundenzahl, Pausen und Mindesturlaubstagen beachtet werden.
Team-Ausstattung und Verhaltensregeln
Mit der zunehmenden Professionalisierung des Esports etablieren sich auch Regeln und Möglichkeiten, die bislang eher aus traditionellen Sportarten bekannt waren. Dazu gehören:
- Die Bereitstellung von Trainern, Coaches oder Lehrern.
- Die Existenz eines Trainingsgeländes.
- Mögliche Ernährungsvorgaben, insbesondere da es Anbieter von Spezialnahrung für Esportler gibt.
- Regeln zum Schlaf vor Turnieren oder zur Art der Anreise.
Existiert bereits ein Verhaltenskodex für das Team, kann auf diesen verwiesen oder er als Teil des Spielervertrags integriert werden. Dies kann auch Aspekte wie Verhaltensregeln im Umgang mit anderen Spielern oder Teams umfassen.
Nebenbeschäftigung und Nebeneinnahmen
Ähnlich den Diskussionen im traditionellen Sport, sollte klar geregelt sein, ob Verträge mit eigenen Sponsoren erlaubt sind und wie Einnahmen aus Tätigkeiten gehandhabt werden, die nicht direkt das Spielen betreffen. Der Vertrag sollte präzise festlegen, ob und in welchem Umfang solche Nebenbeschäftigungen oder Nebeneinnahmen gestattet sind und unter welchen Bedingungen sie erfolgen dürfen.
Sozialversicherung und rechtliche Rahmenbedingungen
Obwohl im Zweifel primär das Team betroffen ist, müssen in so gut wie jedem Land geltende Sozialversicherungsgesetze beachtet werden. Urlaubsansprüche, Arbeitszeiten, Krankenversicherung, Lohnfortzahlung und Rentenansprüche sind zu prüfen und zu regeln. Einige europäische Länder, wie Deutschland, teilen Steuerverpflichtungen und Sozialversicherungszahlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf. Dies ist sowohl bei der Vergütung als auch bei der Frage, wer Vertragspartner von Streaming-Portalen ist, zu berücksichtigen.
Vertragsübergang bei Teaminvestitionen
Im Zuge vermehrter Investitionen in die Esport-Szene stellen sich Fragen zum Vertragsübergang und zur Vertragsbeendigung. Was passiert bei einer Verschmelzung von Teams oder Unternehmen? Was geschieht, wenn die Betreibergesellschaft des Teams einen neuen Eigentümer erhält oder dieser andere Schwerpunkte setzen möchte?
Beendigung von Spielerverträgen
Neben der regulären Kündigung oder dem Auslaufen einer Befristung, spielen im Esport zunehmend Ablösesummen eine Rolle. Darf ein anderer Club einen Spieler unter Vertrag nehmen, obwohl der aktuelle Vertrag noch läuft? Wenn ja, welche vertraglichen Folgen hat dies für den bestehenden Vertrag, und welche Entschädigung erhält das aktuelle Team?
Bei einem Vertragsübergang müssen zudem Fragen zu aktuellen Ligen, Turnieren, Platzierungen und Ähnlichem geklärt werden. Regelungen zur Kündigung sind essenziell, aber auch Bestimmungen für den Fall des Nachkommens (etwa beim Tod eines Vertragspartners) können wichtig sein, auch wenn dieses Thema oft verdrängt wird.
Weitere wichtige Vertragspunkte
Zusätzliche Regelungen betreffen Gerichtsorte, anwendbares Recht, Laufzeiten, Verschwiegenheit, Schriftformerfordernisse und sonstige Formalitäten. Diese Details mögen für rechtlich Ungeübte oft trocken erscheinen. Doch gerade bei Streitigkeiten oder wenn eine Partei den Vertrag nicht mehr gegen sich gelten lassen möchte, können sie entscheidend sein.
Die Frage des anwendbaren Rechts kann zudem massive Auswirkungen auf die Kosten haben. Während Rechtsanwaltskosten in einigen Ländern, wie Deutschland, begrenzt sind, können sie in anderen Jurisdiktionen, wie Großbritannien oder den USA, schnell aus dem Ruder laufen.
Fazit
Das Wichtigste bei allen genannten Punkten ist, dass sie verhandelt, besprochen und bei Bedarf geregelt werden. Ein Vertrag sollte weder unnötig ausufern noch wichtige Aspekte unberücksichtigt lassen. Als Spieler ist es unerlässlich, den Vertrag sorgfältig zu lesen und die Konsequenzen zu verstehen, um bei Zweifeln oder Unsicherheiten fachkundigen Rat einzuholen.