Das Wichtigste in Kürze
- Der e.K. ist eine wichtige Rechtsform für digitale Geschäftsmodelle wie Esport, Streaming und Influencer-Tätigkeiten.
- Vorteile des e.K. sind die Führung einer eigenen Firma, freie Gerichtsstandsvereinbarung und höhere Reputation.
- Nachteile umfassen doppelte Buchführung, Bilanzierungspflichten und erhöhten Aufwand.
- Zwei zentrale Haftungsfallen sind das kaufmännische Bestätigungsschreiben (Schweigen als Annahme) und die kaufmännische Rügepflicht (unverzügliche Mängelprüfung).
- Die Wahl der Rechtsform ist komplex und sollte individuell auf das Geschäftsmodell abgestimmt werden.
Der Eingetragene Kaufmann (e.K.): Chancen und Risiken für digitale Geschäftsmodelle
In diesem Blogbeitrag beleuchten wir die Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns (e.K.). Wir haben bereits zahlreiche Rechtsformen mit ihren jeweiligen Risiken und Vorteilen vorgestellt. Die Option, ein Esport-Team, eine Streamer- oder Influencer-Karriere oder sonstige Dienstleistungen als eingetragener Kaufmann (e.K.) anzubieten, ist eine wichtige Alternative.
Ein zentraler Aspekt ist, dass auf die Geschäfte des eingetragenen Kaufmanns das Handelsgesetzbuch (HGB) Anwendung findet. Für den e.K. gelten daher spezifische Regelungen, wie zum Beispiel diverse Handelsbräuche. Dazu gehört die Rügepflicht nach § 377 HGB. Auch das sogenannte kaufmännische Bestätigungsschreiben muss zwingend beachtet werden.
Obwohl Freiberufler und Kleingewerbetreibende sich nicht ins Handelsregister eintragen lassen müssen, haben sie als sogenannte "Kann-Kaufleute" die Wahl, dies zu tun. Diese Entscheidung sollte allerdings aufgrund der weitreichenden Konsequenzen sorgfältig abgewogen werden.
Vorteile der Eintragung als Eingetragener Kaufmann (e.K.)
- Geschäfte unter einer eigenen Firma abwickeln können (z.B. Fantasienamen statt persönlichem Namen).
- Möglichkeit, einen Gerichtsstand frei zu vereinbaren.
- Höhere Reputation im Geschäftsverkehr durch die Erfüllung handelsrechtlicher Pflichten.
- Erteilung einer Prokura an Mitarbeiter, ohne dass dies als Gründung einer GbR gewertet wird.
Der eingetragene Kaufmann hingegen kann eine Firma führen und unter dieser Firma handeln, verkaufen oder vererben. Ein weiterer großer Vorteil ist die Möglichkeit, einen Gerichtsstand frei zu vereinbaren, sofern dies rechtlich zulässig ist. Von großer Bedeutung ist auch die höhere Reputation, die ein eingetragener Kaufmann oft im Geschäftsverkehr genießt. Dies ist vergleichbar mit der Tatsache, dass eine GmbH meist eine höhere Reputation als eine UG besitzt.
Die höhere Reputation des e.K. beruht darauf, dass ihn zahlreiche handelsrechtliche Pflichten treffen. Viele dieser Pflichten wurden jedoch entwickelt, um den Rechtsverkehr sicher, schnell und effektiv zu gestalten. Dies kommt den Geschäftspartnern zugute. Ein weiterer großer Pluspunkt kann die Erteilung einer Prokura an einen Mitarbeiter sein, ohne dass dies sofort als Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gewertet würde, was wiederum eigene Vor- und Nachteile mit sich brächte.
Nachteile und Risiken der Eintragung als e.K.
- Kosten für Gewerbeanmeldung, Notar- und Handelsregistergebühren.
- Verpflichtung zur doppelten Buchführung.
- Mögliche Bilanzierung und regelmäßige Inventur.
- Erhöhter Aufwand und Kosten (z.B. für Steuerberater).
- Notwendigkeit von Erfahrung im Geschäftsleben und Handelsrecht, um Haftungsfallen zu vermeiden.
Problematisch kann es unter Umständen werden, dass mit der Eintragung eine Verpflichtung zur doppelten Buchführung einhergeht. Je nach den spezifischen Umständen können zudem eine Bilanzierung und eine regelmäßige Inventur erforderlich sein. Dies kann den Aufwand und die Kosten, zum Beispiel für einen Steuerberater, erheblich erhöhen.
Ebenfalls ist ein gewisses Maß an Erfahrung im Geschäftsleben und im Handelsrecht notwendig. Andernfalls besteht die Gefahr, in die Haftungsfallen des kaufmännischen Bestätigungsschreibens oder der kaufmännischen Rügepflicht zu geraten.
Die Haftungsfalle des kaufmännischen Bestätigungsschreibens
Das gewohnheitsrechtlich anerkannte kaufmännische Bestätigungsschreiben dient der schriftlichen Bestätigung eines mündlichen Vertragsabschlusses unter Kaufleuten. Die eigentliche Falle dabei ist, dass das Schweigen auf ein solches Bestätigungsschreiben eines anderen Kaufmanns – im Gegensatz zum Zivilrecht – die Bestätigung eines Vertrages bedeutet. Einem kaufmännischen Bestätigungsschreiben muss daher unverzüglich widersprochen werden, wenn die darin aufgeführten Umstände oder Vertragsparameter nicht korrekt sind.
Diese Regelung gilt jedoch nur, wenn zuvor tatsächlich Vertragsverhandlungen stattgefunden haben. Ein Bestätigungsschreiben ohne jede Grundlage entfaltet keine Wirkung. Die Anforderungen an solche Verhandlungen sind jedoch nicht allzu groß. Gerade bei rechtliche Besonderheiten der Influencer-Tätigkeit, Streamern, Influencern, Agenturen oder ähnlichen digitalen Akteuren kommen Verhandlungen über Marketingkampagnen oder Kooperationen im Influencer-Bereich ständig vor. Grundsätzlich gilt: Ein Kaufmann muss auf ein Angebot reagieren, sonst gilt sein Schweigen als Annahme und er ist zur Leistung und/oder Schadensersatz verpflichtet.
Die kaufmännische Rügepflicht
Eine weitere große Haftungsfalle ist die sogenannte Rügepflicht. Sind bei einem Handelskauf zwei Kaufleute beteiligt – dies kann eine GmbH, eine OHG oder eine Aktiengesellschaft sein, jedoch keine GbR –, muss der Käufer die eingegangene Ware unverzüglich nach §§ 377 ff. HGB auf Güte, Menge und Art prüfen. Erkennbare Mängel sind unverzüglich, versteckte Mängel sofort nach ihrer Entdeckung zu rügen.
Gewährleistungsrechte und Ähnliches existieren für Kaufleute in aller Regel ansonsten nicht! Zwar kann diese Pflicht in gewissem Rahmen, beispielsweise mithilfe von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), minimiert oder die Frist verlängert werden. Dabei sind jedoch stets die allgemeinen Grundsätze des AGB-Rechts zu beachten. Sicherheit im Geschäftsverkehr durch professionelle Verträge ist hier unerlässlich.
Es ist wichtig zu beachten: Da eine Kapitalgesellschaft nach dem HGB ein sogenannter Ist-Kaufmann ist, treffen diese Pflichten auch die Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften. Dies unterstreicht die weitreichende Bedeutung der handelsrechtlichen Vorschriften.
Fazit zur Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns
Die Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns (e.K.) bietet zahlreiche Vorteile und ist daher in vielen Branchen weit verbreitet. Die mit ihr verbundenen Risiken sind vorhanden, aber bei entsprechendem Wissen und Management handhabbar. Wie genau man als Streamer, Esport-Organisation, Influencer, Agentur, Freelancer oder mit einem ähnlichen Geschäftsmodell im Rechtsverkehr auftreten sollte, ist jedoch oft eine Frage des Einzelfalls.
Die Wahl der passenden Rechtsform hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Frage, ob man mit Partnern zusammen gründet oder ob Investoren involviert sind. Es gibt keine pauschal "richtige" oder "falsche" Rechtsform, sondern lediglich die individuell am besten geeignete. Gerne berate ich Sie bei der Beantwortung dieser komplexen Fragen.