Das Wichtigste in Kürze
- Das Amtsgericht Heidelberg verurteilte einen Betreiber von Metin2 Piraterie-Servern wegen gewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung zu einer Geldstrafe.
- Die Kooperation des Angeklagten mit den Behörden führte zu einer vergleichsweise milden Strafe und lieferte wertvolle Informationen für weitere Ermittlungen.
- Der Betrieb illegaler P-Server kann erhebliche Gewinne generieren, birgt aber auch strafrechtliche und zivilrechtliche Risiken.
- Die rechtliche Beurteilung von Privatservern ist komplex und erfordert eine detaillierte Prüfung urheber-, marken- und wettbewerbsrechtlicher Aspekte.
Das Amtsgericht Heidelberg hat gegen den Betreiber mehrerer Piraterie-Server für das Online-Spiel Metin2 eine Geldstrafe verhängt. Dem Urteil war eine Absprache zwischen den Verfahrensbeteiligten und der GVU vorausgegangen.
Im Verfahren gegen den Betreiber der beliebten Piraterie-Server „Cyperia“ und „Hardcore Reloaded“ ist ein Urteil gefallen: Das Amtsgericht Heidelberg verurteilte den Hauptangeklagten wegen gewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen in Höhe von jeweils 20 Euro. Dem Urteil vorausgegangen war eine Verständigung zwischen der Staatsanwaltschaft Heidelberg, dem Anwalt des Beschuldigten und dem Finanzamt. Auch die GVU nahm als Vertreterin des geschädigten Mitglieds Gameforge an diesen Gesprächen teil.
Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, von 2014 bis 2016 zwei der beliebtesten Piraterie-Server (auch Private-Server, kurz P-Server) für das Online-Rollenspiel „Metin2“ betrieben zu haben, auf denen zeitweise mehre Hunderttausend Spieler angemeldet waren. Über den Verkauf virtueller Gegenstände und Fähigkeiten innerhalb des Spiels (sog. In-Game-Käufe), mit denen die Nutzer ihre Spielfiguren aufrüsten konnten, wurden durch den Täter und seine Helfer sechsstellige Gewinne erzielt. Bei der Durchsuchung konnten neben diversen PCs, Notebooks und Speichermedien insgesamt rund 110.000 Euro beschlagnahmt werden.
Der Angeklagte hatte vor seiner Verurteilung seine Kooperationsbereitschaft erklärt und intensiv mit der GVU und den zuständigen Behörden zusammengearbeitet. Dabei lieferte er wertvolle Informationen über Strukturen, Hintermänner und Finanzierung der illegalen P-Server-Szene, aus denen sich neue Ermittlungsansätze ergaben. Im Gegenzug wurde ihm eine verhältnismäßig milde Strafe in Aussicht gestellt, zusätzlich musste er eine Spende in Höhe von 3.000 Euro an den gemeinnützigen Verein Gaming Aid zahlen.
Die Zusammenarbeit zahlte sich aus, denn die Informationen des Angeklagten führten unmittelbar zu einem weiteren Ermittlungserfolg: Im März 2018 wurde der Berliner Betreiber eines weiteren Metin2-P-Servers von der Polizei durchsucht, nachdem die GVU entsprechende Hinweise an die Beamten weitergegeben hatte. Der Beschuldigte wurde in Untersuchungshaft genommen. Er soll durch den von ihm betriebenen P-Server, auf dem bis zu 2.500 Spieler gleichzeitig aktiv waren, ebenfalls Gewinne im sechsstelligen Bereich erzielt haben.
- die genaue Struktur der Programmierung der Privatserver
- Fragen des Marken- und Wettbewerbsrechts
- Fragen der Territorialität der urheberrechtlichen Handlungen