BGH setzt Verfahren gegen Facebook Spielecenter aus

Der unter anderem für Ansprüche aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute ein bei ihm…

Das Wichtigste in Kürze

  • Der BGH hat ein Verfahren gegen Facebook wegen Datenschutzverstößen im Spielecenter ausgesetzt.
  • Die Aussetzung erfolgt, um eine Vorabentscheidung des EuGH zur Verbandsklagebefugnis im Datenschutz abzuwarten.
  • Es wird geklärt, ob Verbände wie Verbraucherzentralen Datenschutzverstöße abmahnen dürfen.
  • Die EuGH-Entscheidung hat weitreichende Folgen für die Durchsetzung der DSGVO und das Verhältnis zum UWG.

Der unter anderem für Ansprüche aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute ein bei ihm anhängiges Verfahren des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände gegen Facebook wegen Verstößen gegen Datenschutzrecht bis zur Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union in einem diesem vom Oberlandesgericht Düsseldorf vorgelegten Vorabentscheidungsverfahren ausgesetzt.

Das Landgericht hatte Facebook antragsgemäß verurteilt, es zu unterlassen, auf ihrer Internetseite in einem App-Zentrum Spiele so zu präsentieren, dass Nutzer der Internetplattform mit dem Betätigen eines Buttons wie „Spiel spielen“ die Erklärung abgeben, dass der Betreiber des Spiels über das von der Beklagten betriebene soziale Netzwerk Informationen über die dort hinterlegten personenbezogenen Daten erhält und ermächtigt ist, Informationen im Namen der Nutzer zu übermitteln (posten). Die Berufung von Facebook hatte keinen Erfolg.

Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren nun in entsprechender Anwendung von § 148 Abs. 1 ZPO bis zur Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union in der Rechtssache C-40/17 über das Vorabentscheidungsersuchen des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 19. Januar 2017 (Beschluss vom 19. Januar 2017 – I-20 U 40/16) ausgesetzt. Das Oberlandesgericht hat dem Gerichtshof der Europäischen Union in diesem Verfahren, in dem es um den „Gefällt mir“-Button von Facebook geht, die Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt, ob die Regelungen in Art. 22 bis 24 der Richtlinie 95/46/EG zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr (Datenschutz-Richtlinie) einer nationalen Regelung entgegenstehen, die – wie § 8 Abs. 3 Nr. 3 UWG – gemeinnützigen Verbänden zur Wahrung der Interessen der Verbraucher die Befugnis einräumt, im Falle einer Verletzung von Datenschutzvorschriften gegen den Verletzer vorzugehen. Diese Frage ist auch im vorliegenden Rechtsstreit entscheidungserheblich und nicht zweifelsfrei zu beantworten. Möglicherweise lässt die Datenschutz-Richtlinie eine Verfolgung von Verstößen allein durch die Datenschutzbehörden und die Betroffenen und nicht durch Verbände zu.

Dies dürfte somit nicht nur eine interessante Entscheidung zum Umgang von Facebook mit dem Datenschutz sein, sondern auch zur Frage, ob DSGVO-Verstöße in Zukunft nur von Datenschutzbehörden abgemahnt werden können, oder nicht, bzw. wie das Verhältnis der DSGVO zum UWG in Zukunft zu sehen sein wird.

Häufig gestellte Fragen

Worum ging es in dem Verfahren des Bundesgerichtshofs gegen Facebook?
Das Verfahren betraf Klagen des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände gegen Facebook wegen Verstößen gegen Datenschutzrecht im Zusammenhang mit dem Facebook Spielecenter. Nutzer gaben beim Spielen von Games unwissentlich weitreichende Berechtigungen zur Datenübermittlung an Spielebetreiber.
Warum hat der BGH das Verfahren ausgesetzt?
Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren ausgesetzt, um die Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) in einem Vorabentscheidungsverfahren abzuwarten. Diese EuGH-Entscheidung ist für den vorliegenden Rechtsstreit von entscheidungserheblicher Bedeutung.
Welche zentrale Frage muss der EuGH klären?
Der EuGH muss klären, ob nationale Regelungen, die gemeinnützigen Verbänden die Befugnis einräumen, bei Datenschutzverstößen gegen den Verletzer vorzugehen, mit der Datenschutz-Richtlinie 95/46/EG vereinbar sind. Es geht also um die Verbandsklagebefugnis im Datenschutzrecht.
Welche möglichen Auswirkungen hat die EuGH-Entscheidung?
Die EuGH-Entscheidung könnte klären, ob Verstöße gegen die DSGVO in Zukunft nur von Datenschutzbehörden und Betroffenen oder auch von Verbänden abgemahnt werden können. Sie wird auch das Verhältnis zwischen DSGVO und dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) neu definieren.