Das Wichtigste in Kürze
- Professionelle Esport-Teams benötigen erhebliches Kapital, idealerweise von Investoren, nicht nur Sponsoren.
- Eine klare Strategie und Fokus auf Einnahmequellen, insbesondere Werbung durch Social-Media-Reichweite, sind entscheidend.
- 'Sportlicher' Erfolg ist zweitrangig; Social-Media-Reichweite ist die primäre Währung für den Geschäftserfolg.
- Professionelle Verträge und solide juristische Strukturen sind das Fundament für unternehmerischen Erfolg.
- Esport-Organisationen müssen als Business verstanden und geführt werden, um Wachstumspotenziale zu nutzen.
Professionelle Esport-Teams erfolgreich gründen: Wichtige Hinweise für Gründer
Als Rechtsanwalt und Unternehmensberater habe ich zahlreiche Esport-Teams gecoacht und Neugründungen bei ihren ersten Schritten begleitet. Das Potenzial in diesem Bereich ist aktuell enorm, doch es birgt auch Risiken. Gerade weil sich meiner Meinung nach professionelle Esport-Teams kaum noch bootstrappen lassen, möchte ich einige oft missachtete Hinweise teilen.
Meine Ausführungen richten sich primär an professionelle Teams. Diese haben das explizite Ziel, Geld zu verdienen und langfristig Vollzeitjobs zu schaffen. Wenn Sie ein Team als reines Hobby aufbauen, sind diese Hinweise nur bedingt anwendbar. Beachten Sie in diesem Fall jedoch die Informationen in diesem Artikel. Traditionelle Vereine (e.V.), ob gemeinnützig oder nicht, werden hier ebenfalls nicht behandelt.
Kapital als Fundament für professionelle Esport-Teams
Ein Unternehmen im Esport lässt sich heutzutage nur mit ausreichend Kapital aufbauen. Dies kann Eigenkapital sein, wobei es sich hier nicht um wenige tausend Euro handelt. Idealerweise bemühen Sie sich jedoch um einen regulären Investor. Einige Tipps dazu finden Sie in diesem Artikel.
Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Sponsor in der Regel kein Investor ist, wie ebenfalls in diesem Artikel erläutert. Ein Investor sichert die finanzielle Basis für:
- Die Unternehmensgründung
- Gehälter und Spielervergütungen
- Die Erstellung ordentlicher Verträge
- Weitere essenzielle Ausgaben
Nur mit einem Investor lässt sich Kontinuität in ein Esport-Unternehmen bringen – ein Aspekt, der den meisten Teams fehlt. Für die juristische Vorbereitung auf die erste Investmentrunde ist eine frühzeitige Planung entscheidend.
Strategische Planung und Einnahmequellen im Esport
Nach erfolgreicher Akquise eines Investors müssen Sie spätestens jetzt eine klare Strategie entwickeln, wie Ihr Esport-Team Geld verdienen kann. Auch wenn es unpopulär klingt: 100 Prozent der Investoren erwarten innerhalb absehbarer Zeit ein Vielfaches ihrer Investition zurück. Dies kann durch Rückzahlung eines Darlehens, den Verkauf von Anteilen oder eine Kombination daraus geschehen.
Vielen Gründern ist nicht bewusst, dass die meisten Investoren mit der zehnfachen Investmentsumme oder mehr rechnen, damit ein Unternehmen als Investmentobjekt attraktiv ist. Die Haupteinnahmequelle ist der Verkauf von Werbung, weshalb ein starker Fokus auf diesen Aspekt gelegt werden muss. Aktuelle Haupteinnahmequellen umfassen:
- Einnahmen aus Streamingtätigkeiten der Spieler und der Organisation. Insbesondere für Streamer ist eine rechtliche Beratung essentiell.
- Einnahmen aus Brandvermarktung bei Events, in Streams sowie auf der Homepage und in Social-Media-Kanälen.
- In kleineren Anteilen reguläre Bannerwerbung.
Ab einer bestimmten Größe können zudem relevante Einnahmen aus Verkaufstätigkeiten generiert werden. Einnahmen aus Turniergewinnen hingegen sind irrelevant, da sie vollständig unberechenbar sind. Sie haben in einem seriösen und ausgeglichenen Businessplan nichts zu suchen.
Social Media Reichweite: Die Schlüsselwährung für Esport-Erfolg
Angesichts der genannten Einnahmequellen gibt es im Esport nur eine entscheidende Währung für den Teamerfolg: die Social-Media-Reichweite. Auch wenn dies viele Organisationen nicht gerne hören: Ein gut funktionierendes Esport-Team ist im Prinzip vergleichbar mit einer Marketingagentur.
Turniererfolge dienen in der Regel lediglich als Mittel zum Zweck, um die gewünschte Reichweite in den sozialen Medien zu erzielen. Dieser Umstand ist für viele Esport-Gründer, besonders für jene mit großer Leidenschaft für den Esport, schwer zu akzeptieren. Erfolgreiche Esport-Organisationen erfordern Manager, die ihre Organisation als Business verstehen.
Das bedeutet keineswegs, dass es in einer professionellen Esport-Organisation keine Personen mit Leidenschaft geben darf. Gerade Manager einzelner Teams oder Esport-Titel müssen die Szene hervorragend kennen. Sie haben jedoch in der Regel nur sehr bedingt Einfluss auf die operative und finanzielle Leitung der Organisation.
"Sportlicher" Erfolg in Esport-Organisationen: Eine realistische Betrachtung
Zu Beginn der Gründung einer professionellen Esport-Organisation wird oft zu viel Fokus auf den "sportlichen" Erfolg gelegt. Dieser ist jedoch nur sehr bedingt notwendig, da finanzielle Vorteile aus "sportlichem" Erfolg schwer kalkulierbar sind, wenn überhaupt vorhanden. Wesentlich relevanter ist die bereits erwähnte Social-Media-Reichweite.
Diese Reichweite entsteht bei erfolgreichen Teams aus einer Kombination von "sportlichem" Erfolg, Kooperationen mit erfolgreichen Streamern, guter Community-Arbeit und cleverem Social-Media-Marketing. Durch die Nutzung der Erfahrung von Profis und zahlreicher Kniffe kann eine Organisation anfangs auch mit begrenztem spielerischem Erfolg mehr Geld verdienen. Dies gilt im Vergleich zu jenen, die zwar Turniere gewinnen, es aber nicht schaffen, Aspekte wie die Turnierteilnahme, Social Media oder Sponsoren zu monetarisieren. Beispiele dafür gibt es nicht nur im Esport, sondern auch im traditionellen Sport.
Professionelle Verträge und juristische Strukturen im Esport
Als Rechtsanwalt ist es für mich selbstverständlich: Zum professionellen Auftreten gehören auch professionelle Verträge und solide juristische Strukturen, wie Kapitalgesellschaften als Rechtsform. Clever gestaltet, sind gute Verträge aus verschiedenen Gründen nicht nur eine lästige Notwendigkeit. Sie bilden vielmehr den Grundstein für den unternehmerischen Erfolg Ihres Esport-Teams.
Fazit und Ausblick für Esport-Gründer
Meine Ausführungen sind naturgemäß kurz gehalten. Doch zahlreiche Gespräche in diesem Jahr haben bestätigt, dass die dargestellten Informationen im Wesentlichen eine Erfolgsformel für Esport-Organisationen darstellen. Sie sind die Grundlage dafür, dass erst wenige Jahre alte Neugründungen im Esport finanziell und – inzwischen auch spielerisch – weitaus erfolgreicher sind als Teams oder Organisationen, die bereits zehn oder mehr Jahre existieren.
Gerade Deutschland hat jedoch noch massiven Nachholbedarf beim Verständnis, ein Unternehmer zu sein. Wer es schafft, etablierte Konzepte und Denkweisen aus anderen Geschäftszweigen auf den Esport anzuwenden, kann aktuell riesige Wachstumspotenziale nutzen. Dies gilt sowohl für klassische Investoren, die verstanden haben, dass Esport mehr als nur eine Jugendbewegung ist, als auch für Gründer, die im Esport wirklich als Unternehmer erfolgreich sein wollen.