Marian Härtel Lassen sich Esport Teams bootstrappen?

Aufgrund einer Twitter-Diskussion möchte ich in den nächsten Tagen ein paar Artikel zum Thema Aufbau und Management von Esport-Teams veröffentlichen.  Ich Rahmen meiner Beratung von einigen Teams und auf Basis meiner ca. 20 Jahre Erfahrung als Berater und eigener Unternehmern, traue ich mir zu, zu behaupten, dass man in der aktuellen Zeit ein Esport-Team nicht bootstrappen kann. Wer es nicht weiß, Bootstrapping bezeichnet eine Finanzierungsart der Unternehmensgründung, die gänzlich ohne externe Finanzierung funktioniert. Angelehnt ist der Begriff an die Baron-Münchhausen-Geschichte, bei der dieser sich selbst an seinen Haaren aus einem Sumpf zieht und er beschreibt einen Prozess, bei dem Gründer auf externe Hilfe verzichten und eigenständig finanziert ein Unternehmen aufbauen. Dementsprechend ist meine Aussage natürlich nur valide, wenn ich wirklich kommerzielle Absichten mit einem Esport Team verfolge.

Mein Post schließt natürlich nicht aus, dass jemand aus Spaß oder weil er eine Leidenschaft verfolgt, ein Esport-Team betreiben kann. Man findet dann vielleicht auch einen kleinen Sponsor, der einen mit 100-200 Euro im Monat unterstützt. Das nenne ich, von der rechtlichen Bewertung einmal abgesehen, jedoch kein kommerzielles Esport-Team, von dem perspektivisch 10+ Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten.

Mein Artikel dreht sich daher ausdrücklich um ein Team (bzw. ein Unternehmen, welches Teams managt/betreibt), das ernsthaft Geld mit dem Esport verdienen will, und zwar im mindestens 5stelligen Bereich pro Monat. Dies ist aktuell möglich, aber man muss einige Spielregeln beachten.

Meine Meinung dazu mag hart klingen, ist aber das Resultat aus vielen Jahren Unternehmererfahrung, das sorgfältige Beobachten der Szene aus dem unternehmerischen Blickwinkel und einer größeren Anzahl Gespräche.

Der Neuaufbau/die Etablierung eines langfristig erfolgreichen Esport-Teams ist ohne vernünftige Investoren nicht möglich. Und dabei ist es wichtig, dass Wort Investoren nicht mit Sponsoren zu verwechseln.

Investoren sind notwendig, um dem Unternehmen, dass das Team/die Teams betreibt ein initiales Finanzpolster zu geben, um

  • Gehälter zu bezahlen
  • Bezahlte Personen im Marketing, Sales und Geschäftsführung zu beschäftigen
  • Büro und Unkosten zu teilen.
  • Optimaler Weise ein Trainingsraum für Teams bereitzustellen
  • Kosten für Rechtsanwälte, Steuerberater und sonstige Personen aufzubringen.
  • Reisekosten zu finanzieren.

Diese Investoren bekommen typischerweise ein Anteil am Unternehmen und somit am zukünftigen Gewinn, sind im Rahmen einer Business Angel Tätigkeit sogar beratend am Geschäftsbetrieb beteiligt oder profitieren von einem Gewinnabführungsvertrag. Um Investoren zu überzeugen, muss man einen Business Plan erstellen, der in Text und Zahlenwerk überzeugen muss. Dabei ist die betriebswirtschaftliche Komponenten deutlich wichtiger als Details bei den Teams, Spielen oder sonstigen Umständen. Typischerweise investieren Business Angel und sonstige Investoren in Teams und konkreten Idee und Vorstellungen. Diese Punkte und somit beispielsweise auch die Professionalität, müssen besonders überzeugen.

All diese Sachen sind in der Regel nicht aus eigenem Kapital oder geringen Einnahmen zu bestreiten. Ohne Dinge, können aber Spieler und andere Mitarbeiter nicht langfristig gebunden werden, um deren Wechsel zu verhindern und Sponsoren Kontinuität zu bieten.

Abzugrenzen sind Investoren daher von Sponsoren. Sponsoren sind, anders als oft Investoren, am konkreten Tagesgeschäft, interessiert, da diese einen direkten Nutzung aus der Sponsorentätigkeit ziehen, nämlich in aller Regel einen Werbeeffekt erhalten wollen. Um langfristig potente Sponsoren zu akquirieren ist neben Professionalität vor allem Beständigkeit relevant. Beständigkeit ist eine Mischung aus Wachstum und Vertrauen auf gleich gute Qualität beispielsweise in Social Media Kanälen oder durch Turniergewinne. Und hier kommen wir zum Kernpunkt meiner Aussage. Während Professionalität eine Frage der Einstellung des Management und des Engagement ist und somit im Grundsatz, dem Bootstrappen zugänglich ist, ist Beständigkeit in aller Regel nur durch Gehaltszahlungen und sonstige finanziell aufwendige Verpflichtungen realisierbar. Ein Team, welches 2-3 mal im Jahr sein Setup wechselt, welches vertraglich nur schwer verpflichtet werden kann und welche nicht professionell und ausdauernd trainieren kann, wird in der Regel keine Beständigkeit ermöglichen können. Ohne Beständigkeit wiederum wird kaum ein Sponsor einem neuen Team signifikante Geldmittel zur Finanzierung der Organisation zur Verfügung stellen, die es ermöglichen auch Gewinne zu erzeugen. Zumindest wird sich ein Sponsor nicht seinerseits langfristig zu relevanten Geldzahlungen verpflichten, die dem Team wiederum Planungssicherheit und Wachstum ermöglichen. Im besten Fall ist der Aufbau elendig lang und entweder der große Hype in einigen Jahren vorbei oder irgendwann die Konkurrenzsituation, vor allem international, derart groß, dass eine größere Relevanz kaum noch möglich ist.

Sponsoren sind jedoch wichtig um das Unternehmen/Team profitabel zu machen, somit unabhängig von den Investorengelder zu gestalten und den Investoren schließlich, verzinslich, das investierte Geld zurückzuzahlen. Um verlässliche Sponsoren zu finden, muss man ein vernünftiges Konzept, ein überzeugendes Media-Deck und natürlich Reichweite in Social-Media-Kanälen oder Aufmerksamkeit auf Turnieren und dergleichen haben.

Wie man bereits in meiner verkürzten Darstellung erkennen kann, sind Sponsoren und Investoren jedoch verschiedene Dinge, hängen jedoch zusammen.

Dabei ist ein durch Investoren finanziertes Esport-Unternehmen, mit professionelle Management-Team, da sich auch größeren Sponsoren als Partner anbieten kann, finanziell durchaus vorstellbar.  Entsprechende Zahlenwerke habe ich für Mandanten letztes Jahr erstellt. Dies bedarf jedoch sauber ausgearbeiteter Business Pläne, professionelle Planungen der Einnahmen, eine saubere und professionelle Umsetzung der betriebswirtschaftlichen und juristischen Strukturen und natürlich einer guten Kenntnisse der Esport-Szene. Mandanten kann ich mit all diesen Punkten helfen, wenn diese gewillt sind, mit voller Kraft an dem Erfolg zu arbeiten.

In den nächsten Tagen werde ich mich einzelnen Punkten detaillierter widmen und gehe natürlich auch gerne auf Rückfragen ein. Bei Interesse an einer Zusammenarbeit stehe ich jederzeit über meine Kommunikationskanäle zur Verfügung.

 

Über Marian Härtel

Marian Härtel ist spezialisiert auf die Rechtsgebiete Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und IT/IP Recht und hat seinen Schwerpunkt im Bereich Computerspiele, Esport, Marketing und Streamer/Influencer. Er betreut Startups im Aufbau, begleitet diese bei sämtlichen Rechtsproblemen und unterstützt sie im Business Development.

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