Das Wichtigste in Kürze
- Slicing the Pie Verträge ermöglichen Startups in der Frühphase, Arbeitszeit und andere Beiträge gegen spätere Anteile zu tauschen, um Kapitalengpässe zu überwinden.
- Der "Pie" wird basierend auf risikobehafteten Beiträgen wie Zeit, Geld und Ideen berechnet und in fiktive Einheiten umgerechnet.
- Obwohl flexibel, bergen diese Verträge erhebliche rechtliche Risiken, insbesondere in Bezug auf Scheinselbstständigkeit, Arbeits-, Sozialversicherungs-, Gesellschafts- und Urheberrecht.
- Eine fundierte anwaltliche Beratung ist in Deutschland aufgrund der komplexen Rechtslage und potenziellen Haftungsrisiken bei der Gestaltung und Umsetzung von Slicing the Pie Verträgen zwingend erforderlich.
Slicing the Pie Verträge: Chancen und Risiken für Startups in Deutschland
In Deutschland etabliert sich ein Gründertrend, der auf der gemeinschaftlichen Entwicklung von Software und Projekten für Startups basiert. Viele Startups und Gründer stehen in der Pre-Investment-Phase oft vor der Herausforderung, ausreichend Kapital für die Einstellung von Angestellten in einer GmbH zu haben. Dies trifft besonders zu, wenn ein Produkt oder Projekt noch keine Marktreife erreicht hat und somit keine Umsätze generiert werden können.
Was sind Slicing the Pie Verträge?
Hier bieten sogenannte Slicing the Pie
-Verträge eine innovative Lösung. Sie ermöglichen es, Arbeitszeit in ein Projekt zu investieren
und im Gegenzug später Gesellschafteranteile oder andere geldwerte Vorteile zu erhalten. Diese Vereinbarungen stellen eine Mischung aus Arbeitsverträgen, Gesellschafterverträgen und Verwertungsrechtsvereinbarungen dar.
Vom Grundgedanken her ist das Slicing the Pie
-Prinzip nicht kompliziert. Es basiert auf einer einfachen Formel: Der prozentuale Anteil einer Person am Eigenkapital sollte immer dem Anteil dieser Person an den Risikobeiträgen entsprechen.
Bestandteile und Berechnung des "Pies"
- Zeit
- Geld
- Ideen
- Beziehungen
- Vorräte
- Ausrüstung
- Einrichtungen
- Alles andere, was zur Verfügung gestellt wird
- Zeit
- Geld
- Ideen
- Beziehungen
- Vorräte
- Ausrüstung
- Einrichtungen
- oder alles andere, was zur Verfügung gestellt wird.
Diese Leistungen können in zwei grundlegende Kategorien unterteilt werden: Bareinlagen und Sachleistungen. Bareinlagen verbrauchen direkt Bargeld, während Sachleistungen wie unbezahlte Arbeitszeit nicht monetär sind. Eine nicht erstattete Ausgabe hingegen ist eine Barleistung.
Das Slicing Pie-Modell normalisiert Bar- und Sachleistungen, indem es diese in fiktive Einheiten umwandelt. Diese Einheiten stellen sodann einen normalisierten Beitrag zum Risikopotenzial dar.
Anwendungsbereiche und zeitliche Begrenzung
Slicing the Pie
-Vereinbarungen existieren in vielen Varianten, als Teillösungen und in verschiedenen Gründungsszenarien. In Deutschland eignen sich gesellschaftsrechtlich hierfür sowohl die Aktiengesellschaft als auch die GmbH, wobei die GmbH bestimmte Einschränkungen und Vorbedingungen erfordert.
Das Modell wird typischerweise bis zu einem definierten Zeitpunkt angewendet. Dies kann beispielsweise sein, bis das Unternehmen die Gewinnschwelle erreicht oder ausreichend Kapital aufbringt, um die Teilnehmer für ihre Beiträge zu vergüten. An diesem Punkt friert
der anfängliche Anteil ("Split") ein und bestimmt fortan die Ausschüttung von Dividenden oder den Erlös bei einem Verkauf.
Rechtliche Fallstricke und Risiken von Slicing the Pie Verträgen
- Arbeitsrecht
- Sozialversicherungsrecht
- Gesellschaftsrecht
- Urheberrecht
Oftmals bewegt man sich mit derartigen Vereinbarungen in einer Grauzone zwischen einer regulären Gründung, einem GbR-Vertrag und dem Risiko der Scheinselbstständigkeit. Slicing the Pie
-Verträge sollten daher niemals ohne anwaltliche Beratung erstellt, unterzeichnet oder durchgeführt werden. Die potenziellen Haftungsrisiken sind andernfalls enorm.
Dies gilt besonders in Deutschland aufgrund der strikten Gesetze zur Scheinselbstständigkeit. Diese wurden erst mit dem neuen Gesetz gegen illegale Beschäftigung und Sozialleistungsmissbrauch vom 18. Juli 2019 weiter verschärft.
Ich habe in der Vergangenheit Mandanten sowohl in der Erstellung derartiger Verträge beraten als auch aufseiten der Mitunternehmer
. Kontaktieren Sie mich unverbindlich für eine erste Anfrage. Ich erkläre Ihnen gerne kurz die Alternativen, um in Erfahrung zu bringen, ob für Ihr Unternehmen oder Ihr geplantes Projekt eine Slicing the Pie
-Vereinbarung sinnvoll ist, wie ich dabei helfen kann und wo die Risiken liegen.
Fazit
Slicing the Pie Verträge können eine wertvolle Alternative für Startups sein, die in der Frühphase Kapitalengpässe haben. Sie ermöglichen eine faire Beteiligung der Gründer und Mitwirkenden. Aufgrund der komplexen rechtlichen Implikationen ist jedoch eine fundierte anwaltliche Beratung unerlässlich, um Risiken wie Scheinselbstständigkeit zu vermeiden und eine rechtssichere Struktur zu gewährleisten.