- IPO-Definition: Ein Börsengang ermöglicht die erstmalige Ausgabe und Platzierung von Aktien eines privaten Unternehmens.
- Prospektpflicht: Unternehmen müssen einen Wertpapierprospekt erstellen, der von der BaFin geprüft wird.
- Börsenzulassung: Zulassung erfordert Erfüllung der Börsenordnung und gesetzlicher Anforderungen, wie Mindestkapital.
- Regulatorische Compliance: Nach dem IPO bestehen Meldepflichten wie Ad-hoc-Mitteilungen und Stimmrechtsmeldungen.
- Aktionärsbeteiligte: Ein IPO involviert Banken, Anwälte und Wirtschaftsprüfer, was den Prozess komplex macht.
- Vorteile: Zugang zu Finanzmitteln zur Expansion und Reputation steigert Vertrauen.
- Nachteile: Hohe regulatorische Anforderungen können Ressourcen binden und Kontrollverlust für Eigentümer bedeuten.
Definition und Grundlagen eines IPO Ein Börsengang (Initial Public Offering, IPO) beschreibt die erstmalige Ausgabe und öffentliche Platzierung von Aktien eines bislang privaten Unternehmens an einer Wertpapierbörse. Ziel ist es, durch Ausgabe neuer Aktien oder Verkauf bestehender Aktien Eigenkapital von institutionellen Investoren und privaten Anlegern einzusammeln. Dabei transformiert sich das Unternehmen von einer privaten in eine börsennotierte Aktiengesellschaft (AG oder SE).
Juristische Anforderungen – Prospektpflicht und Ausnahmen Im Mittelpunkt eines IPO steht die Verpflichtung zur Erstellung eines Wertpapierprospekts nach den Vorgaben der EU-Prospektverordnung (VO (EU) 2017/1129) und des deutschen Wertpapierprospektgesetzes (WpPG). Der Prospekt informiert potentielle Anleger ausführlich über das Unternehmen, seine Risiken, die Geschäftsentwicklung sowie über die angebotenen Wertpapiere. Der Prospekt muss von der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) geprüft und gebilligt werden. In bestimmten Ausnahmefällen, etwa bei Angeboten an qualifizierte Anleger oder bei Angeboten mit einem Gesamtgegenwert von weniger als 8 Millionen Euro innerhalb von 12 Monaten, kann die Prospektpflicht entfallen oder reduziert sein.
Zulassungsverfahren und Anforderungen der Börsenordnung Neben der Prospekterstellung ist auch das Zulassungsverfahren bei der jeweiligen Börse relevant. Hierbei müssen die Zulassungsvoraussetzungen gemäß Börsengesetz (BörsG) und den jeweiligen Börsenordnungen erfüllt werden. Diese Voraussetzungen umfassen beispielsweise Mindestanforderungen an das Eigenkapital, die operative Geschäftstätigkeit sowie Anforderungen an die Corporate Governance und Transparenz des Unternehmens.
Compliance nach dem IPO – Ad-hoc-Publizität und weitere Meldepflichten Nach erfolgreicher Erstnotiz unterliegt das Unternehmen zahlreichen regulatorischen Verpflichtungen im Bereich der Kapitalmarktcompliance. Dazu zählen insbesondere die Ad-hoc-Mitteilungspflichten gemäß Art. 17 der Marktmissbrauchsverordnung (MAR), nach denen wesentliche kursbeeinflussende Tatsachen unverzüglich öffentlich bekanntgegeben werden müssen. Weiterhin sind Stimmrechtsmeldungen nach § 33 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sowie Regelungen zur Directors‘ Dealings nach Art. 19 MAR zu beachten.
Beteiligte Akteure und Ablauf eines IPO Ein Börsengang ist ein komplexes, mehrphasiges Verfahren, das die Einbindung verschiedener Akteure wie Banken (als Emissionsbanken oder Underwriter), spezialisierte Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und gegebenenfalls Unternehmensberater voraussetzt. Der Ablauf umfasst typischerweise eine intensive Due Diligence-Prüfung, Prospekterstellung, Roadshows zur Investorenansprache und Preisbildungsprozesse, beispielsweise mittels Bookbuilding-Verfahren.
Vorteile eines Börsengangs Ein erfolgreicher IPO bietet dem Unternehmen Zugang zu erheblichen Finanzmitteln, mit denen strategische Investitionen, Expansionen oder Unternehmensakquisitionen finanziert werden können. Darüber hinaus gewinnt das Unternehmen durch die Börsennotierung an Sichtbarkeit und Reputation auf nationaler und internationaler Ebene, was das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern stärken kann.
Nachteile und Risiken eines Börsengangs Gleichzeitig ist ein IPO mit hohen regulatorischen Anforderungen verbunden, welche umfangreiche Ressourcen binden und laufende Kosten verursachen. Hinzu kommt eine gesteigerte Transparenzpflicht, welche insbesondere kleinere oder familiengeführte Unternehmen als nachteilig empfinden können. Zudem bedeutet ein Börsengang meist einen gewissen Kontrollverlust der bisherigen Eigentümer aufgrund der Einbindung neuer Anteilseigner und der Notwendigkeit der Berücksichtigung kapitalmarktrechtlicher Regelungen.