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Spieleentwicklung: Risiken durch Code- und Assetproduktion mittels KI

In den letzten Wochen habe ich bereits einige Artikel zum Thema KI und Recht veröffentlicht. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass KI in der einen oder anderen Form bald nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken sein wird, möchte ich immer auch auf die rechtlichen Risiken hinweisen: Heute ein kurzer Ausflug in die Spieleentwicklung, mit der ich mich als Anwalt seit 15 Jahren und als Unternehmer seit 25 Jahren beschäftige.

Was ist KI-gesteuerte Entwicklung von Software?

Der Einsatz von KI in der Softwareentwicklung ist eine aufregende neue Möglichkeit für Unternehmen, Software schneller und effizienter zu entwickeln. Durch den Einsatz von maschinellem Lernen und anderen KI-Technologien können Entwickler neue Anwendungsfälle vorhersehen und die Software optimieren, bevor sie auf den Markt kommt. Dies ist eine revolutionäre Entwicklung, die das Potenzial hat, die Art und Weise, wie Entwickler ihre Arbeit erledigen, zu verändern. Doch was genau ist mit KI-gesteuerter Softwareentwicklung gemeint?

KI-gesteuerte Entwicklung ist ein Prozess, der maschinelles Lernen nutzt, um die Qualität von Software zu verbessern und den Code zu optimieren. Maschinelles Lernen wird eingesetzt, um die Benutzeroberfläche anzupassen und Vorhersagen über ihr Verhalten zu treffen. Dadurch können Programme intelligenter gestaltet werden und mehr Funktionen bieten als herkömmliche Programme. KI-gesteuerte Entwicklung kann aber auch Spieleentwicklern helfen, schneller bessere Software zu entwickeln, insbesondere bei Aspekten, die nicht unbedingt mit “Kreativität” zu tun haben, wie Backend, Serverarchitektur etc. Darüber hinaus bietet KI-gesteuerte Entwicklung einen viel größeren Spielraum für das Experimentieren mit verschiedenen Technologien und Designansätzen. Eine solche Entwicklung kann auch dazu beitragen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, insbesondere in Teams mit begrenzten Ressourcen. Da maschinelles Lernen viele Aufgaben – einschließlich der Testautomatisierung – automatisiert, können einige Aufgaben ohne menschliches Eingreifen erledigt werden. Dadurch sparen die Teams Zeit und können sich auf die kreativen Aspekte der Spieleentwicklung konzentrieren.

Es besteht daher kein Zweifel, dass KI-gesteuerte Softwareentwicklung in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Viele Unternehmen haben bereits damit begonnen, KI in ihre Produktionsprozesse zu integrieren, und dies ist erst der Anfang. Es besteht kein Zweifel daran, dass sich die Technologie weiter verbessern wird, sowohl in Bezug auf die Genauigkeit als auch auf die Effizienz der Codegenerierung.

Welche allgemeinen Risiken gibt es?

Eines der größten Risiken bei der Entwicklung von Computerspielen mit KI besteht darin, dass die Entwickler nicht in der Lage sind, die Erwartungen der Spieler zu erfüllen. Die meisten Menschen haben eine Vorstellung davon, wie ein bestimmtes Spiel funktionieren sollte, bevor sie es spielen. Wenn die KI in diesem Spiel diese Erwartungen nicht erfüllt, kann dies dazu führen, dass viele Spieler das Spiel sofort abbrechen und kein Interesse mehr an der Marke haben. Ein weiteres Risiko bei der KI-gesteuerten Entwicklung von Computerspielen ist die Gefahr der Kreuzverwendung von Daten. Wenn ein Unternehmen versucht, dieselben Daten für mehrere verschiedene Spiele zu verwenden, kann dies dazu führen, dass die Spiele alle gleich aussehen und sich nur in Nuancen unterscheiden. Dies könnte potenzielle Kunden abschrecken und dazu führen, dass sie kein Interesse an den anderen Spielen des Entwicklers haben.

Und juristische Risiken?

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Computerspielen wird immer beliebter. Es ist nicht verwunderlich, dass KI-gesteuerte Entwicklung zu einem der heißesten Trends in der Softwareentwicklung geworden ist. Obwohl die Technologie viele Vorteile bietet, gibt es auch einige juristische Risiken, die berücksichtigt werden müssen. Unerlaubte Nutzung und Urheberrechtsverletzung sind die Hauptrisiken bei KI-gesteuerter Entwicklung von Computerspielen. So ist gerade bei der Verwendung von SaaS-Diensten oft nicht auszuschließen, dass urheberechtlich geschützte Bestandteile der Spiele von den KI Anbietern kopiert und eventuell für zukünftige Kunden genutzt werden. Dies könnte zu einem Problem werden. Die Details sind aber kompliziert. Dies bedeutet, dass Entwickler, die KI-Software entwickeln, äußerst vorsichtig sein müssen, um zu verhindern, dass ihr Code unbefugt genutzt oder verändert wird. Das Risiko könnte also darin bestehen, Spiele, die mit Hilfe von KI-Tools entwickelt wurden, in komplexe Rechtsstreitigkeiten verwickelt werden können. In solchen Fällen kann eine Partei behaupten, dass ihr geistiges Eigentum ohne Erlaubnis genutzt oder illegal abgeschrieben wurde. Gerade international könnte dies zu Problemen führen, da beispielsweise in den USA Patente auf Software möglich sind bzw. das Urheberecht an reinem Code strenger beurteilt wird, als dies in Deutschland der Fall wäre. Daher müssen Entwickler sicherstellen, dass ihre Software alle relevanten Rechtsvorschriften einhält und der Vertrieb zu keiner Urheberrechtsverletzungen führt. 

Ein weiteres Risiko könnte sein, dass die KI Codebestandteile entwickelt, die der Entwickler selbst nicht genug nachvollzieht. Das Risiko von Fehlern oder gar Hintertüren im Code könnte somit stetig und immanent sein. Nur welcher Entwickler prüft Code, den er automatisiert hat erstellen lassen noch einmal gründlich? Dann könnte man diesen gleich selbst entwickeln?

Und Entwicklerverträge?

Die Einführung der KI-gesteuerten Entwicklung von Computerspielen birgt eine Reihe von Haftungsrisiken, die es zu beachten gilt. Entwickler, die die Chancen nutzen wollen, müssen aber auch bei der Gestaltung ihrer Entwicklerverträge sehr sorgfältig vorgehen, um sicherzustellen, dass alle relevanten Details korrekt formuliert sind. Ein ungenau formulierter Vertrag kann sowohl den Entwickler als auch andere Beteiligte einem immensen Haftungsrisiko aussetzen. Ein Beispiel für eine solche Haftung ist das Risiko von Bugs. Je nach Formulierung haftet der Entwickler für alle Schäden, die durch Bugs entstehen, oder er muss umfangreiche Nacharbeiten durchführen, die zu finanziellen Einbußen führen. Darüber hinaus können bei der KI-gesteuerten Entwicklung von Computerspielen besondere urheberrechtliche Probleme auftreten. Da KI eingesetzt wird, um bestimmte Elemente in Spielen zu generieren, kann es schwierig sein festzustellen, wem genau diese Elemente gehören und ob der Entwickler überhaupt die Rechte an diesen Elementen (seien es Grafiken, Sounds oder Code) besitzt und ob und in welchem Umfang er sie an den Publisher lizenzieren kann oder darf. Entwickler sollten daher darauf achten, dass alle notwendigen Rechte und Genehmigungen im Vorfeld geklärt und alle relevanten Informationen stets in den Vertrag aufgenommen werden. Um all diese Haftungsrisiken effektiv zu minimieren und unnötige Streitigkeiten zu vermeiden, ist es für Entwickler unerlässlich, ihre Entwicklerverträge gründlich und detailliert auszugestalten und alle damit verbundenen Haftungsrisiken explizit anzusprechen und Maßnahmen zu deren Vermeidung festzulegen. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Beteiligten über ihre jeweilige Verantwortung und die genauen Umstände informiert sind und drohende Streitigkeiten oder Klagen vermieden werden.

Da dieser Bereich der Spieleentwicklung noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es zu all diesen Fragen noch keine Rechtsprechung oder gar Best-Practice-Ansätze.

Fazit

Die Chancen sind groß, vor allem in Fragen der Effizienz, aber natürlich auch bei der Integration von Technologien und Fähigkeiten in Spiele, für die der Entwickler keinen Zugang zu “Human Resources” hat, sei es, weil die Kosten für einen Indie-Entwickler zu hoch sind oder weil es nicht genügend Mitarbeiter gibt, die man einstellen könnte. Es gibt aber auch Risiken, und es ist ratsam, nicht nur professionelle juristische Hilfe in Anspruch zu nehmen, sondern auch transparent mit potentiellen Vertragspartnern umzugehen.

Marian Härtel

Marian Härtel

Marian Härtel ist Rechtsanwalt und Unternehmer mit den Schwerpunkten Urheberrecht, Wettbewerbsrecht und IT/IP Recht und einen Fokus auf Games, Esport, Medien und Blockchain.

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