Dänemark: Sportanerkennung des Esport irrelevant; Vorbild für Deutschland?

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Wer hin und wieder meinen Blog verfolgt, der dürfte inzwischen mitbekommen haben, dass ich ein Gegner davon bin, in der Politik vernarrt auf die Anerkennung von Esport als Sport zu bestehen. Ich glaube nämlich, dass die politischen Akteure damit der Industrie einen Bärendienst erweisen, da die Anerkennung als Sport (juristisch genau die Subsumtion unter § 52 AO Nr. 21) hoch unwahrscheinlich ist und daher der Industrie über Jahre auch juristisch keine Gleichberechtigung gegenüber anderen Freizeitaktivitäten ermöglicht wird und somit auch die Verbreitung in der Breite, also in Vereinen, stark behindert wird.

Meine Stellungnahmen dazu findet man ausführlicher hier und hier und zum DOSB hier und hier. Meine juristische Analyse zum Gutachten des DOSB gibt es in diesem Post.

Gestern fand in der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin ein Treffen statt. In dessen Rahmen gab es viele interessante Vorträge über die Situation des Esport in Dänemark und wie es das kleine Land schaffen konnte, derart viel Erfolg mit Esport zu haben und juristische als auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um Teams wie Astralis hervorzubringen.

Einen sehr interessanten Vortrag hielt dabei Lasse Hoffmann Kirkelund vom Dänischen Kulturministerium zum Thema „Die Entwicklung und Förderung des eSports in Dänemark“. Dabei stellte er sehr spannend vor, wie die Dänische Regierung es organisierte, dass alle Parteien der Esport-Industrie in Dänemark sich an einen Tisch setzen und über die Bedürfnisse der einzelnen Parteien diskutierten, um am Ende eine bedarfsgerechte Förderung des Esports und vor allem eine juristische Gleichberechtigung zu erreichen, um dabei die sehr fortschrittliche digitale Agenda des Landes zu fördern.

Diese führte nicht nur zu finanziellen Förderungen, sondern auch zur Etablierung an Schulen und vielem mehr. Lasse Hoffmann Kirkelund beendete seinen Vortrag mit dem von mir so oft vorgetragenen Mantra, dass die Frage ob Esport als Sport eingestuft werden kann, für Dänemark irgendwann irrelevant war, als die Tätigkeit Esport juristisch gleichberechtigt war.

Genau dies versuche ich immer wieder zu betonen. In Deutschland muss Esport, das inzwischen weit mehr als ein Trend ist, sondern vielmehr bereits eine gesellschaftliche Entwicklung darstellt, juristisch gleichberechtigt sein. Es muss Fördermöglichkeiten geben, Vereine müssen im Rahmen von § 52 der Abgabenordnung als gemeinnützig anerkannt werden, wenn diese ansonsten die Vorteile für die Gesellschaft bieten, die der Gesetzgeber  mit der Norm fördern will. Es muss Möglichkeiten geben, wie Spieler gefördert und später eventuell zu professionellen Teams vermittelt werden können und es muss auch ansonsten Gleichberechtigung im Sinne von Art 3 des Grundgesetzes geben.

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Wenn man dies erreicht, und ich denke, es gibt weder einen politischen noch einen juristischen Grund, dies nicht fordern und zu beschließen, kann sowohl professionellen Teams als auch dem Vereinen die Frage der Anerkennung als Sport (oder juristisch genauer: Die Aufnahme von Verbänden wie den ESBD in den DOSB) völlig egal sein.

Ähnlich äußerte sich auf der Veranstaltung übrigens auch Jakob Lund Kristensen, CCO und Gründer bei Astralis. Und auch Kristina Herbst, Staatssekretärin für Inneres in Schleswig-Holstein, betonte, dass für das Bundesland die Sportbegriffsfrage höchstens sekundär ist. Jakob Lund Kristensen betonte vielmehr ausdrücklich, wie wichtig es als Profi-Team ist, wirklich professionell zu agieren, eine solide Finanzierung zu haben und – zumindest als Profi-Teams, den Esport endlich als Business zu begreifen. Etwas, dass ich Mandanten, die Teams professionalisieren wollen, auch ständig versuche zu erklären.

Auf ähnliche Weise kann der Esport auch in Deutschland erfolgreicher gemacht werden, sowohl im Profi-Bereich als auch im Freizeitbereich. Dazu muss aber bei einigen Akteuren endlich ein Umdenken erfolgen, weniger Pathos in die Diskussion eingebracht und vernünftig und sich zielführend mit den politischen Akteuren an einen Tisch gesetzt werden, ohne dass man, wie  Widder im Revierkampf, die Köpfe aneinander knallt! Die aktuelle Diskussion ist nämlich typisch Deutsch. Alles wird zerredet, keiner geht auf einen anderen zu und am Ende verlieren beide Seiten. Ein Umstand, den auch Botschafter Friis Arne Petersen in seiner Auftaktrede gestern Deutschland süffisant vorwarf.

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