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Rechtsanwalt Marian Härtel - ITMediaLaw

Influencer-Merchandise und die neue EU-Produktsicherheitsverordnung

Wen es trifft und was zu beachten ist!

3. Juli 2024
in EU-Recht
Lesezeit: 4 Minuten Lesezeit
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eu 5837837 1280

Der Influencer-Markt boomt, und immer mehr Content-Creator entdecken das lukrative Geschäft mit eigenem Merchandise. Die Möglichkeit, eigene Produkte zu entwickeln und zu verkaufen, bietet Influencern eine spannende Alternative zum klassischen Affiliate-Marketing. Statt nur Provisionen für fremde Produkte zu erhalten, können sie nun ihre eigene Marke aufbauen, ihre Kreativität ausleben und eine tiefere Bindung zu ihrer Community schaffen. Eigenes Merchandise ermöglicht es Influencern, ihre Einnahmequellen zu diversifizieren und von der Loyalität ihrer Follower zu profitieren. Die Kontrolle über Design, Qualität und Botschaft der Produkte liegt dabei vollständig in ihren Händen.

Inhaltsverzeichnis Verbergen
1. Was ist die GPSR und wen betrifft sie?
2. Wann fallen Influencer unter die GPSR?
3. Welche Pflichten entstehen für Influencer?
4. Wie können sich Influencer vorbereiten?
4.1. Author: Marian Härtel
Wichtigste Punkte
  • Influencer-Markt wächst, mit Fokus auf eigenem Merchandise als Alternative zum klassischen Affiliate-Marketing.
  • Neue EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) tritt ab Dezember 2024 in Kraft und betrifft alle Produkte, auch Merchandise.
  • Wichtige Anforderungen der GPSR: umfassende Produktsicherheit, Risikoanalysen und Dokumentation sind nötig.
  • Rückverfolgbarkeit von Produkten, Meldepflicht bei Unfällen und benannte EU-Verantwortliche sind unerlässlich.
  • Influencer müssen sicherstellen, dass Produkte den EU-Sicherheitsstandards entsprechen, um rechtliche Probleme zu vermeiden.
  • Komplexität der GPSR-Anforderungen variiert je nach Produkttyp, einfache Produkte wie T-Shirts erfordern weniger Aufwand.
  • Frühzeitige Vorbereitung und Zusammenarbeit mit Experten helfen Influencern, die neuen Herausforderungen zu meistern.

Doch wer Produkte unter eigenem Namen verkauft, muss zahlreiche rechtliche Aspekte beachten. Ein besonders wichtiger Punkt, der viele Influencer überraschen dürfte, ist die neue EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR). Während das eigene Merchandise-Geschäft große Chancen bietet, bringt es auch neue Verantwortlichkeiten mit sich, die sorgfältig bedacht werden müssen. Die richtige Balance zwischen unternehmerischem Handeln und rechtlicher Compliance zu finden, wird für Influencer, die ins Merchandise-Geschäft einsteigen wollen, zur entscheidenden Herausforderung.

Was ist die GPSR und wen betrifft sie?

Die General Product Safety Regulation (GPSR) ist eine neue EU-Verordnung, die ab Dezember 2024 in Kraft tritt. Sie modernisiert den EU-Rahmen für Produktsicherheit und gilt für alle Produkte auf dem EU-Markt – einschließlich Influencer-Merchandise. Die GPSR betrifft die gesamte Lieferkette vom Hersteller bis zum Online-Marktplatz und führt neue Verpflichtungen ein, um den Herausforderungen des wachsenden E-Commerce-Sektors zu begegnen.Zu den wichtigsten Neuerungen gehören:

  1. Umfassende Produktsicherheit: Alle Produkte müssen den EU-Sicherheitsstandards entsprechen.
  2. Risikoanalyse und Dokumentation: Hersteller müssen interne Risikoanalysen durchführen und technische Dokumentationen erstellen.
  3. Verbesserte Rückverfolgbarkeit: Informationen über Herkunft und Vertrieb von Produkten müssen bereitgestellt werden können.
  4. Meldepflicht bei Unfällen: Produktbezogene Unfälle sind unverzüglich den Behörden zu melden.
  5. EU-Verantwortlicher: Für jedes Produkt muss ein in der EU ansässiger Verantwortlicher benannt werden.
  6. Erweiterte Rückrufregeln: Detaillierte Vorschriften für Produktrückrufe, einschließlich Verbraucherinformation.
  7. Digitale Kennzeichnung: Produkt- und Sicherheitsinformationen können in digitaler Form bereitgestellt werden.

Für Influencer und kleine Unternehmen, die eigene Produkte verkaufen, bedeutet die GPSR eine erhöhte Verantwortung. Sie müssen sicherstellen, dass ihre Produkte den neuen Anforderungen entsprechen, was möglicherweise mit zusätzlichem administrativen Aufwand verbunden ist. Um sich vorzubereiten, sollten Influencer:

  • Sich frühzeitig über die neuen Regelungen informieren
  • Ihre Lieferketten überprüfen und sicherstellen, dass alle Produkte den EU-Sicherheitsstandards entsprechen
  • Die erforderliche Dokumentation und Rückverfolgbarkeitssysteme vorbereiten
  • Gegebenenfalls Experten für Produktsicherheit und rechtliche Beratung hinzuziehen

Die GPSR zielt darauf ab, die Produktsicherheit in der EU zu verbessern und an die Herausforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen. Für Influencer bietet sie die Chance, das Vertrauen ihrer Kunden durch nachweislich sichere Produkte zu stärken.

Wann fallen Influencer unter die GPSR?

Entscheidend ist, ob Influencer als „Hersteller“ im Sinne der GPSR gelten. Dies ist der Fall, wenn sie Produkte unter ihrer eigenen Handelsmarke verkaufen. Beispielsweise wenn ein Streamer T-Shirts mit eigenem Design und Logo produzieren lässt und diese direkt an Fans verkauft. In diesem Fall müssen alle Anforderungen der GPSR erfüllt werden, einschließlich der Sicherstellung der Produktsicherheit, Durchführung von Risikoanalysen und Erstellung technischer Dokumentationen.

Die GPSR definiert den Hersteller als jede natürliche oder juristische Person, die ein Produkt herstellt oder entwickeln oder herstellen lässt und dieses Produkt unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Marke vermarktet. Somit fallen Influencer, die eigene Merchandise-Linien entwickeln und unter ihrem Namen vertreiben, eindeutig in diese Kategorie.

Anders sieht es aus, wenn ein Dritter die Produkte verkauft und lediglich das Logo oder der Name des Influencers darauf erscheint. In diesem Szenario liegt die Hauptverantwortung beim tatsächlichen Hersteller oder Importeur. Allerdings sollten Influencer auch in solchen Kooperationen vorsichtig sein und sicherstellen, dass ihre Partner die GPSR-Anforderungen erfüllen, um Reputationsschäden zu vermeiden.

Der Verkauf von eigenem Merchandise unter einer eigenen Handelsmarke bietet zwar spannende Geschäftsmöglichkeiten für größere Streamer und Influencer, bringt aber auch mehr Pflichten mit sich. Dazu gehören unter anderem die Benennung einer verantwortlichen Person in der EU, die Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit von Produkten und die Einhaltung von Meldepflichten bei Produktsicherheitsproblemen. Zudem müssen Influencer als Hersteller sicherstellen, dass ihre Produkte den EU-Sicherheitsstandards entsprechen und alle erforderlichen Informationen für den Fernabsatzvertrieb bereitstellen.

Welche Pflichten entstehen für Influencer?

Die Komplexität der GPSR-Anforderungen variiert je nach Produkttyp erheblich. Bei einfachen Produkten wie T-Shirts gestaltet sich die Umsetzung in der Regel weniger aufwendig:

  • Risikoanalyse: Bei T-Shirts beschränkt sich diese hauptsächlich auf chemische Sicherheit, um sicherzustellen, dass keine schädlichen Substanzen verwendet wurden.
  • Technische Dokumentation: Hier genügen oft grundlegende Informationen zu Material, Herstellung und Pflegehinweisen.
  • Rückverfolgbarkeit: Kann durch einfache Etikettierung mit Chargennummern gewährleistet werden.

Bei komplexeren Produkten wie Hardware oder elektronischen Geräten wird die Einhaltung der GPSR-Anforderungen deutlich anspruchsvoller:

  • Umfassende Risikoanalysen: Berücksichtigung elektrischer, mechanischer und thermischer Risiken sowie möglicher Softwarefehler.
  • Detaillierte technische Dokumentation: Schaltpläne, Softwarespezifikationen, EMV-Tests und Sicherheitsnachweise sind erforderlich.
  • Erweiterte Rückverfolgbarkeit: Seriennummern und möglicherweise elektronische Systeme zur Verfolgung von Komponenten.
  • Zusätzliche Sicherheitsfeatures: Wie Überhitzungsschutz oder Kindersicherungen.
  • Komplexere Gebrauchsanweisungen: Mit detaillierten Sicherheitshinweisen und Warnungen.

Influencer, die komplexere Produkte unter ihrer Marke verkaufen möchten, sollten daher sorgfältig abwägen, ob sie die damit verbundenen Verantwortlichkeiten und den erhöhten Aufwand stemmen können. In solchen Fällen kann die Zusammenarbeit mit erfahrenen Herstellern oder spezialisierten Beratern ratsam sein, um die Einhaltung aller GPSR-Anforderungen sicherzustellen.

Wie können sich Influencer vorbereiten?

Um den Anforderungen der GPSR gerecht zu werden, sollten Influencer frühzeitig und strategisch handeln:

  1. Verschaffen Sie sich einen umfassenden Überblick über die Verordnung und ihre spezifischen Auswirkungen auf Ihr Geschäftsmodell.
  2. Führen Sie eine gründliche Analyse Ihrer Produktpalette und Lieferketten durch, um potenzielle Risikobereiche zu identifizieren.
  3. Implementieren Sie robuste Systeme zur Rückverfolgbarkeit und Dokumentation, die den neuen Anforderungen entsprechen.
  4. Erwägen Sie die Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern oder Agenturen, die Expertise im Bereich Produktsicherheit und Compliance mitbringen.

Es ist wichtig zu betonen, dass die GPSR zwar neue Herausforderungen mit sich bringt, aber kein Grund zur Panik besteht. Vielmehr bietet sie die Chance, das eigene Merchandise-Geschäft auf ein professionelleres Niveau zu heben und das Vertrauen der Kunden zu stärken. Für viele Influencer könnte es sinnvoll sein, mit erfahrenen Partnern zusammenzuarbeiten, die die komplexen Anforderungen effizient erfüllen können. Dies ermöglicht es Influencern, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, während sie gleichzeitig von den Vorteilen eines sicheren und compliant geführten Merchandise-Geschäfts profitieren. Letztendlich kann eine gut umgesetzte GPSR-Strategie zu einem Wettbewerbsvorteil werden und die langfristige Stabilität des Geschäfts fördern.

Marian Härtel
Author: Marian Härtel

Marian Härtel ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht mit einer über 25-jährigen Erfahrung als Unternehmer und Berater in den Bereichen Games, E-Sport, Blockchain, SaaS und Künstliche Intelligenz. Seine Beratungsschwerpunkte umfassen neben dem IT-Recht insbesondere das Urheberrecht, Medienrecht sowie Wettbewerbsrecht. Er betreut schwerpunktmäßig Start-ups, Agenturen und Influencer, die er in strategischen Fragen, komplexen Vertragsangelegenheiten sowie bei Investitionsprojekten begleitet. Dabei zeichnet sich seine Beratung durch einen interdisziplinären Ansatz aus, der juristische Expertise und langjährige unternehmerische Erfahrung miteinander verbindet. Ziel seiner Tätigkeit ist stets, Mandanten praxisorientierte Lösungen anzubieten und rechtlich fundierte Unterstützung bei der Umsetzung innovativer Geschäftsmodelle zu gewährleisten.

Tags: AgenturenAnalyseBeratungComplianceEUInfluencerJuristische PersonMarketingSicherheitVerordnungWettbewerbsvorteil

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