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Esport Verein zur Förderung der Jugend?

Wie schon in diesem Artikel erläutert, ist Dreh- und Angelpunkt bei der Beurteilung, ob ein Verein als gemeinnützig anerkannt werden kann, der § 52 der Abgabenordnung. Wie ebenfalls schon hier und hier erwähnt, ist eine Einstufung unter

21. die Förderung des Sports (Schach gilt als Sport);

aufgrund der Entscheidung des DOSB nicht mehr einfach zu begründen. Was nicht bedeuten soll, dass es unmöglich ist, aber dazu aber mehr in einem späteren Artikel, indem ich auch zu Alternativen und anderen fragwürdigen Sportentscheidungen Stellung nehmen werde.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Verein, der unter Umständen das Thema Esport inkludiert, nie als gemeinnützig anerkannt werden kann. So kennt der § 52 AO insgesamt 25 Gründe für Gemeinnützigkeit und die entsprechenden Kommentare zur Abgabenordnung und zum Vereinsrecht, listen unzählige Gerichtsentscheidungen zu zahlreichen Varianten auf.

So könnte unter Umständen die Förderung der Jugend- und Altenhilfe eine Voraussetzung sein, die nach Nr. 4 zu einer Gemeinnützigkeit führen würde. Aber ist diese Alternative für Esport Vereine einschlägig?

Nun, dazu sollte man noch einmal auf meinen allgemeinen Beitrag zurückgreifen. Darin erklärte ich, dass der wichtigste Punkt bei der Bewertung einer Gemeinnützigkeit der Vereinszweck ist, der auch gleichzeitig einer der wichtigsten Punkte in der Satzung eines Vereins ist.

Um also die Möglichkeit einer Gemeinnützigkeit aufgrund der Förderung der Jugend zu erhalten, müssen mindestens drei Punkte beachtet werden

  • Der Vereinszweck muss entsprechend formuliert werden
  • Die entsprechenden Unternehmungen müssen zunächst glaubhaft dargelegt und später, bei einer Überprüfung, auch nachgewiesen werden
  • Es muss der Vereinszweck auch ansonsten “gelebt” werden.

So wird es nicht funktionieren, einen Verein zu gründen, der faktisch nur “gemeinsames Zocken” zum Inhalt hat, der aber als “Ausrede” die Förderung der Jugend zum Inhalt hat und daher – plakativ gesprochen – Steuern sparen will.

So wäre es z.b. denkbar wie folgt zu formulieren

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

Der Grund für die Formulierung ist einfach. Es muss immer eine Begründung für die Gemeinnützigkeit vorliegen und es sollte Verweis darauf vorliegen, dass man besondere Dienste für die Gesellschaft erbringen will.

Obwohl der Verein, rein juristisch, die Grundform der Kapitalgesellschaft ist, darf dieser keine eigenen wirtschaftliche Zwecke verfolgen. Eigentlich beinhaltet dies jedoch schon das Wort “gemeinnützig”. Nun mag die Frage aufkommen, wie dem Fußballvereine und ähnliche Organisationen mit derart viel Geld hantieren können. Nun, zum einen sagt die Höhe der Einnahmen des Vereins noch nichts über die eine mögliche Gewerblichkeit des Vereins. Zum anderen gibt es auch hier Ausnahmen und Möglichkeiten der Umgehung. Diese machen aber sowohl die juristische Konstruktion, die steuerliche Behandlung als auch das sonstige Management des Vereins komplizierter. So sind z.b. bei professionellen Sportvereinen Dinge wie Spielergehälter, Transfersummen, Ticketeinnahmen, Sponsoringzahlungen und vieles Weiteres oft in separate Kapitalgesellschaften ausgegliedert, an denen der eigentliche Sportverein, wenn überhaupt, nur eine Gesellschafterrolle hält. Auch ist es theoretisch möglich, einen Verein zu splitten. Die Einnahmen und Ausgaben eines Vereins können in einen wirtschaftlichen und einen gemeinnützigen Teil aufgespalten werden. Dies bedingt jedoch saubere Buchhaltung und Organisation, die jedoch sowie zwingend notwendig ist, um später eine Gemeinnützigkeit nicht wieder zu verlieren.

Zudem darf ein Verein auch zum Teil wirtschaftlich arbeiten, entscheidend ist jedoch, dass der gemeinnützige Teil im Vordergrund steht. Dies entschied der Bundesgerichtshof mit Beschluss vom 16.05.2017.

Zweck des Vereins ist die Förderung der Jugendhilfe.

Dieser Satzungszweck ist nach dem nun oben Gesagten obligatorisch, muss doch der Vereinszweck einen Verweis haben, warum dieser als Gemeinnützig anerkannt werden sollte.

Zudem gilt nach § 60 der Abgabenordnung:

(1) Die Satzungszwecke und die Art ihrer Verwirklichung müssen so genau bestimmt sein, dass auf Grund der Satzung geprüft werden kann, ob die satzungsmäßigen Voraussetzungen für Steuervergünstigungen gegeben sind. Die Satzung muss die in der Anlage 1 bezeichneten Festlegungen enthalten.
(2) Die Satzung muss den vorgeschriebenen Erfordernissen bei der Körperschaftsteuer und bei der Gewerbesteuer während des ganzen Veranlagungs- oder Bemessungszeitraums, bei den anderen Steuern im Zeitpunkt der Entstehung der Steuer entsprechen.
Eine rein plakative Darstellung reicht jedoch nicht aus, vielmehr sollte/bzw. muss die Satzung bereits erläutern, wie und auf welche Weise die Förderung der Jugend erreicht werden soll. Dabei müssen keine konkreten Dinge aufgeführt werden, aber es muss grob beschrieben werden.
So könnte man z. B. aufnehmen, dass es als Maßnahmen z.b. die Durchführung regelmäßiger Veranstaltungen als öffentliche, betreute Freizeitangebote für junge Menschen geben soll und/oder dass der Verein sich für die medienpädagogische Betreuung junger Menschen einsetzt, um diese zur kritischen Reflexion von Chancen und Gefahren des elektronischen Sports und zur verantwortungsvollen Kommunikation im Internet zu befähigen.
Hilfreich kann auch sein, dass Eltern von Jugendlichen mit einbezogen werden, indem man beispielsweise eine Beratung von Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten anbietet, um diese besser zu befähigen, Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Einflüssen zu schützen.

 

Schließlich und endlich könnte man den DOSB kontern, dass Sport kein Sport ist und keinen weiteren Sinn hat als zu “Daddeln”, indem konkret aufgenommen wird, dass man Angebote von betreuten Onlinetrainings und -treffs zur Kompetenzbildung und Aufklärung junger Menschen anbietet. Als Zielsetzung dieser Angebote könnte man dann die Förderung der motorischen und geistigen Fähigkeiten, wie Hand-Auge-Koordination, die Reaktionsgeschwindigkeit und taktisches Denkvermögen sowie die Förderung und Bildung von soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikation und Konfliktbewältigung.

Dies sind alles Punkte, die im Rahmen der Diskussion rund um die Anerkennung als Sport auch stets genannt wurden und die einen sinnvollen Beitrag zur Jugendentwicklung bringen, um Deutschland einen Nachwuchs im Esport zu ermöglichen und zum anderen tatsächlich der sozialen Bedeutung des Esports in der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Mit diesen oder ähnlichen Formulierungen, sowie dem Nachweis, dass dieser Zweck auch gelebt werden soll, könnte eine Eintragung als gemeinnütziger Verein in das Vereinsregister funktionieren.

Wichtig dabei ist am besten vorher bei seinem zuständigen Finanzamt vorstellig zu werden und bestimmte Formulierungen abzuklären. Die Frage der Gemeinnützigkeit ist immer noch Sache einzelner Finanzämter, so lange es zu Fragen des Esport keine Entscheidungen von Finanzgerichten oder Richtlinien der Oberfinanzdirektion gibt, die mir beide nicht bekannt sind.

Einzelne Formulierungen und Strukturen des Vereins können relevant sein. Eine Absprache mit einem Rechtsanwalt kann daher sehr hilfreich sein. Das gilt auch deswegen, da ein falscher Umgang mit Steuern, Buchhaltung, eine falsche Zuordnung oder Verwendung von Mitteln und Zuwendungen sowie zahlreiche weitere Aspekte nicht nur auch wieder zum Verlust einer Gemeinnützigkeit führen könnten, sondern im schlimmsten Fall auch in den Bereich der Steuerhinterziehung gehen und somit eine Straftat bedeuten.

 

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Esport: Beide Spielerverträge kostenlos im Angebot

Heute war ein guter Tag, meine Tochter hat vor kurzem den ersten Geburtstag gefeiert und ich habe gute Laune.

Und da die DOSB Mitgliederversammlung anscheinend nur aus sturen Köpfen, alten Männern in Anzügen und allgemein wohl dummen Menschen besteht, die Chance der Kommunikation nicht erkennen, möchte ich der Esport-Branche weiter helfen.

Ich biete daher beide Musterverträge, den Vertrag eines Spielervertrages als Partner und Spielervertrag als geringfügig Angestellter als kostenlosen Download zur Verfügung.

Ich bin aber so ehrlich und verrate sicher auch nichts Neues, wenn ich sage, dass ich als Rechtsanwalt auch etwas verdienen möchte, ja etwas verdienen muss. Während diverse Teams die Verträge also gerne nutzen können, um beispielsweise einmal zu sehen, wie ein solcher Vertrag aussehen kann, rate ich jedem Team, das professionelle Ambitionen hat, zumindest über kurz oder lang auch professionelle Hilfe zu nutzen.Das ist vor allem aus drei Gründen wichtig:

  1. Zum einen gibt es einige Regelungen, die diese Musterverträge nicht beinhalten, beispielsweise wenn ein Spieler extra für das Team streamt und dabei Einnahmen generiert, wenn Spiele gespielt werden, deren Hersteller in bestimmten Ligen besondere Vorgaben machen, wie z. B. Riot bei League of Legends oder wenn es besondere Sponsorenkonstellationen gibt.
  2. Baut man ein professionelles Team auf oder zumindest ein semiprofessionelles Team, knüpfen an die Frage eines Arbeitsvertrages zahlreiche weitere Fragen zu Steuern, sonstigen Abgaben, Pflichten und Rechten als Arbeitgeber und dergleichen an, die es zu beachten gibt. Diese Fragen kann oft nur ein erfahrener Profi beantworten und Abläufe erleichtern. Gerne stehe ich für Teams zur Verfügung um über mehrere Monate hinweg, zu einem Fixbetrag, regelmäßig für Fragen zur Verfügung zu stehen. Kontaktiert mich hierzu einfach.
  3. Auch bei Fragen von Vollzeitanstellungen und mit Auslandsbezug gibt es Frage und Probleme, die diese Vertragsmuster nicht abdecken. Der Partnervertrag kann, muss aber nicht, Probleme mit deutschen Sozialversicherungsbehörden bringen. Hier sollt man besonders vorsichtig zu sein – im Zweifel bitte nachfragen.

 

Ich wäre natürlich allen dankbar, wenn diese die Information weitergeben und daher die Vertragsmuster bekannter werden. Dem deutschen Esport kann es nur guttun, wenn er sich weiter professionalisiert.

Ach ja, ich erwarte, dass jeder meine Verwertungsrechte respektiert und diese Verträge immer nur zu dieser Webseite verlinkt. Bitte nirgendwo auf anderen Webseiten anbieten!

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Teil 1 zum Vereinsrecht: Wie gründet man einen Verein?

Wie angekündigt folgt heute ein erster Teil einer Artikelserie zu Frage, wie ein Verein gegründet werden kann und wie dieser zudem Gemeinnützigkeit erlangen könnte, wenn Satzungszweck beispielsweise die Förderung des Esport ist. Die Artikelserie soll Interessenten helfen, wenn diese planen, eigene Esportvereine zu gründen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um kommerzielle Teams, die einen gewerblichen Anspruch an den Esport haben. Diese sollten auf andere Rechtsformen zurückgreifen und könnten sowieso nicht die Vorteile einer Gemeinnützigkeit nutzen.

Als erste möchte ich jedoch auf die Grundlagen hinweisen. Wie gründet man überhaupt einen Verein? Und muss dieser zwangsläufig gemeinnützig sein? Letzteres ist nicht zwingend notwendig. Das vielleicht bekannteste Beispiel dafür ist der ADAC, der – inzwischen – aufgeteilt ist, in gemeinnützige Anteile und gewerbliche Gesellschaften.

Zwar sind die Mehrzahl der rund 600.000 Vereine in Deutschland gemeinnützig, zwingende Voraussetzung ist dies aber nicht.

Durch Eintragung in das Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichtes nach § 21 BGB erhält ein nicht wirtschaftlicher Verein den Status einer juristischen Person und wird somit zu einer rechtsfähigen Körperschaft. Weitere Regelungen gibt es sodann im Vereinsgesetz.

Je nach Satzung des Vereins, in der die verschiedensten Dinge geregelt werden können, bietet ein Verein, gegenüber einer GmbH oder sonstigen Rechtsformen mitunter Vorteile

So ist ein Verein steuerbegünstigt oder unter Umständen völlig steuerbefreit. Die Leitung wird in der Regel demokratisch gewählt und alle Entscheidungen werden von der Mitgliederversammlung nach Mehrheitsbeschluss getroffen. Wichtig, gerade bei kleineren Einheiten ist auch, dass bei einem Verein, der bürokratische Aufwand gegenüber einem Wirtschaftsunternehmen erheblich geringer ist. Zudem können, je nach Region oder Stadt, öffentliche Ressourcen oft verbilligt oder kostenlos genutzt werden und gibt es oft öffentliche Hilfen und Unterstützungen für gemeinnützige Einrichtungen, sowie Länderförderungen, Bundesförderungen oder auch EU-Fördermitteln.

Wie gründet man also einen Verein?

Notwendig sind dazu sieben Vereinsmitglieder (zwei Mitglieder, wenn der Verein nicht in das Vereinsregister eingetragen werden soll), die sich zusammenfinden müssen, um gemeinsam einen nicht gewinnorientierten Zweck zu verfolgen. Diese Vereinsmitglieder müssen sodann eine Gründungsversammlung abhalten und dabei die Vereinssatzung verabschieden und einen Vorstand wählen. Die Vereinssatzung sollte natürlich vorher erstellt werden.

Der Verein ist dabei juristisch nicht nur die Grundform der Kapitalgesellschaft, sondern auch ansonsten schon lange im Gefüge aller anderen Gesetze eingeordnet. So müssen bei der Satzung und Gründung natürlich Namensrechte ebenso beachtet werden, wie Urheberrecht, Markenrecht und dergleichen. Im weiteren Rahmen gilt Arbeitsrecht, Mietrecht oder einfaches Zivilrecht für alle Tätigkeiten, die der Verein, als eigene Rechtspersönlichkeit, ausübt. Dieser kann natürlich selber klagen und verklagt werden und wird dabei durch seine gewählten Organe vertreten.

Der Vorstand ist dabei neben der Mitgliederversammlung das einzige Pflichtorgan eines Vereins. Der Vorstand leitet den Verein und vertritt ihn nach außen in Geschäftsführung und Vertretung. Näheres dazu kann und muss

Wie der Vorstand zusammengesetzt ist, kann und muss natürlich in der Satzung geregelt sein. Weitere Ämter, wie einen Schriftführer oder einen Kassenwart (geschlechtsneutral natürlich) kann ein Verein haben, muss dies aber nicht. Nur die Vorstandsmitglieder werden zunächst ins Vereinsregister eingetragen. Details der Vertretungsberechtigung nach Innen muss dann natürlich ebenso die Satzung regeln.

Die sollte neben dem der Vereinsnamen, einen der Vereinssitz benennen sowie – sehr wichtig für die Frage der Gemeinnützigkeit, den Vereinszweck. Hinzukommen Regeln für Aus- und Eintritt von Mitgliedern, die vereinbarten Mitgliedsbeiträge (insbesondere die Höhe eben dieser), Regeln zur Beurkundung von Beschlüssen, Regelungen zur Bestimmung des Vorstandes und
zur Einberufung der Mitgliederversammlung. Weitere Regelungen sind möglich, aber nicht zwingend. Da das Vereinsrecht eines der ältesten Rechtsgebiete im BGB ist, sind Großteile bereits durch Rechtssprechung ausgeformt.

Besteht der Verein sodann, kann dieser in das Vereinsregister eingetragen werden. Durch die Eintragung eines Vereins in das Vereinsregister erlangt der Verein uneingeschränkte Rechtsfähigkeit. Der wesentliche Unterschied zum nicht eingetragenen Verein besteht darin, dass sein Vermögen vollständig vom Vermögen der Mitglieder getrennt ist. Für eine Eintragung ist zudem eine öffentliche Beglaubigung notwendig, in der Regel kommen somit Kosten für einen Notar hinzu, sowie Kosten für die Eintragung von aktuell z.b. 75,00 Euro in Berlin. Auf die Eintragung sollte also nicht verzichtet werden, denn das Risiko für die Beteiligten Mitglieder kann – gerade finanzieller Natur – sehr groß sein.

Ein Verein sollte natürlich ein Bankkonto haben und muss beim zuständigen Finanzamt angemeldet werden.

Nach Eintragung kann vom zuständigen Finanzamt die Gemeinnützigkeit geprüft werden, wenn die Satzung einen gemeinnützigen oder sozialen Zweck vorsieht. Die Gemeinnützigkeit und damit die Berechtigung für die Steuerbefreiung prüft erst das zuständige Finanzamt auf Antrag, das Ergebnis richtig sich nach den Regelungen aus § 52 der Abgabenordnung.

Um Kosten zu sparen und eventuell noch Änderungen bei der Satzung zu beschließen, kann die Satzung dem Finanzamt vor Eintragung zur Prüfung vorgelegt werden. Hier ist die Mitwirkung eines Rechtsanwalts natürlich ebenso nicht zwingend, unter Umständen, gerade bei dem komplizierten Fragen rund um § 52 AO jedoch unter Umständen anzuraten.

Kann die Gemeinnützigkeit nicht erreicht werden (was aktuell einige Finanzämter für die Bereich Esport androhen), ist der Verein besonderen steuerrechtlichen Regelungen ausgesetzt.

So gilt für diesen sodann nicht die Besteuerungsgrenze von 35.000 € (wie es für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb eines gemeinnützigen Vereins für die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer gilt, dazu mehr in den weiteren Artikeln), sondern der dieser muss Körperschaftsteuer zahlen, sobald sein Gewinn über 5.000 € pro Wirtschaftsjahr liegt. Allerdings ist für die  Ermittlung des Gewinns eines nicht gemeinnützigen Vereins zu beachten, dass nicht alle Einnahmen einbezogen werden, so z.b. NICHT die echten Mitgliedsbeiträge (aus der Satzung) und Spenden und dass die Einnahmen und Ausgaben nicht den typischen vier zu unterscheidenden Bereichen (ideeller Bereich, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb und wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb) zugeordnet werden..

Weitere Details zu § 52 AO und den Alternativen in der Gestaltung einer Satzung bzw. in der steuerrechtlichen Gestaltung des Vereins (Trennung ideeller und wirtschaftlicher Teil) gibt es in den folgenden Artikeln.

 

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Esport-Teams und fehlende Gehaltszahlungen?

Gestern bin ich zufällig auf diesen Post bei 99Damage aufmerksam geworden. Danach soll das Team Bluejays massive Außenstände bei Spieler und anderen Teammitgliedern haben. Auch wenn ich zu dem Inhalt des Posts mich nicht äußern will, so möchte ich es doch einmal zum Anlass nehmen, ein paar rechtliche Erwägungen zu verschiedenen Problemfeldern rund um das Thema unter das “Volk zu bringen”.

Die Situation ist anscheinend exemplarisch für verschiedene Umstände, die im Esport, nicht nur in Deutschland, sondern auch oft international, schieflaufen und warum es häufig ratsam sein kann, auch rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Prinzip fängt dies schon mit der Webseite von Bluejays an. Auch wenn das Team offiziell in Dänemark registriert ist, so hat diese, und sei es nur mit einer deutschsprachigen Seite, mit einer Mitgliedschaft im ESBD und sonstigen Bezügen nach Deutschland, wohl eine eindeutige Verpflichtung zum Vorhalten eines Impressums. Ich weiß, viele sehen dies als “kleinkariert” an, aber die Impressumspflicht hat einen guten Grund.

Das sei aber nur nebenbei bemerkt, der Post bezieht sich eher u. a. auf die fehlenden Zahlungen.

1. Verträge

Auch wenn es bei Bluejays wohl Verträge und einen gewissen Grad an Professionalisierung gab, so ist für mich als Rechtsanwalt, Consultant und Spielerberater nur schwer nachzuvollziehen, wie man als Spieler und sonstiges Teammitglied über mehrere Monate, bei einzelnen Personen wohl schon seit 2016, akzeptieren kann, dass finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen worden wird.

Will man von seiner Tätigkeit als Esportler wirklich leben und wirklich seine finanzielle Zukunft darauf setzen, sollte man darauf achten, dass ein Vertrag individuell angepasst ist. Egal ob der Vertrag nun auf Kooperationsbasis setzt oder ob man als Angestellter geführt wird, ein solcher Vertrag sollte Klauseln enthalten, was bei Zahlungsausfällen passiert, welche Konsequenzen verspätete Zahlungen haben, mit welchen Gegenforderungen man aufrechnen könnte oder welche Rechte ansonsten zustehen. Ja, einen solchen Vertrag zu erstellen ist sicher aufwendiger, als ein Muster zu benutzen, das es auch bei mir gibt, und dieses nicht mehr  anzupassen. Hätte man meinen Rat aber befolgt, würde man jedoch entweder nicht irgendwann auf seinem Geld sitzen bleiben, würde keine Probleme bei staatlicher Unterstützung nach Zahlungsausfall bekommen oder hätte zumindest seine Rechte für die Zukunft oder einem Wechsel zu einem anderen Team gesichert (und sei es Dinge wie Einnahmen aus dem eigenen Streaming und dergleichen).

Hier gilt doch wie bei Startups, die traditionell gerne an Dingen wie einem Rechtsanwalt sparen: Am Anfang gespart, am Ende das Nachsehen.

Letzteres gilt übrigens besonders dann, wenn man es – uns sei es nur formell – mit einem Team zu tun hat, das nicht in der Bundesrepublik Deutschland registriert ist und bei dem – zumindest initial – fraglich ist, ob deutsches Recht überhaupt anwendbar ist.

Ohne Rechtsstandklauseln und ähnliches, ist es nun zumindest aufwendiger zu prüfen, ob beispielsweise deutsches Sozialversicherungsrecht anwendbar ist, wonach hier Arbeitslosengeld von Staat geschuldet ist oder z.b. Anspruch auf  Insolvenzgeld besteht.

2. Insolvenzrecht

Wo wir schon bei Insolvenz sind. Gehen wir einmal davon aus, dass auf ein Team deutsches Recht anwendbar ist, dann ist mit Dingen wie Insolvenzrecht und Sozialversicherungspflichten nicht zu spaßen.

Als Team kommt man hier schnell in den Bereich der Haftung als Geschäftsführer.

Während Gehälter und Schulden zumindest bedingt insolvenzfest sind, zumindest wenn man rechtzeitig Insolvenz anmeldet, sieht dies bei Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern vollkommen anders aus.  Letztere können zudem auch noch Jahre später, nach Betriebsprüfungen oder Rentenprüfungen auf den, bis dann ahnungslosen, Geschäftsführer lauern. Diese Forderungen sind oft persönlicher Natur, fallen unter Umständen nicht in private Insolvenzmöglichkeiten und können sogar strafrechtlicher Natur sein. Hier droht also mehr, als manch einer es ahnen mag.

Einer der größten Irrtümer deutscher Startups und Kleinunternehmer ist, dass man durch Gründung einer GmbH und als Geschäftsführer aus allen Haftungen entlassen ist. Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall und die Verpflichtungen werden sogar noch vielfältiger.

3. Finanzplanung

Eine schlechte Finanzplanung kann schnell ein kleines Lebenswerk zerstören. Natürlich kann auch im Esport immer z.b. ein Sponsor abspringen (wobei sich dann auch hier die nervige Frage von schlechten Verträgen stellt!), aber die oberste Pflicht eines Geschäftsführers oder eines Leiters einer Organisation, sollte immer sein, die Finanzsituation im Auge zu behalten und im Zweifel auch Rücklagen zu bilden.

4. Trennung von Management und Spielern

Die Risiken und Aufgaben einer Teamleitung sind derart vielfältig, dass ich überzeugt bin, dass es in der Regel nicht funktionieren kann, dass einer der Spieler eines Teams auch die Organisation übernimmt. Was im Falle eines Hobby-Teams noch absolut normal ist, muss bereits als semiprofessionelles Team ein No-Go sein. Als Mitglied des Managements sollte es einem als erstes klar sein, dass man nicht gleichzeitig eine Karriere als Esport-Spieler verfolgen kann. Beides schließt sich aus.

5. Forderungen nachgehen

Aber kommen wir zurück zum Thema Bluejays und dem fehlenden Ausgleich von Forderungen der Spieler und anderer Teammitglieder.

Zwar ist es gut, wenn man seiner Wut Luft macht und bestimmte Dinge auf Twitter veröffentlicht. Strategisch ist es aber oft dumm, denn es wird das Verhältnis zwischen Team und Spieler nicht verbessern. Im Gegenteil, oft wird man seine Chancen auf einen Ausgleich der Forderungen eventuell noch verschlechtern, weil schlechte PR extrem negative Auswirkungen auf die weitere finanzielle Situation eines Teams haben kann.

Wenn es vertragliche Verpflichtungen gibt, dann sollte zunächst die Kommunikation mit dem Arbeitgeber/Auftraggeber gesucht werden. Ist dies nicht erfolgreich – und reden wir über Geldsummen, bei denen es sich lohnt, auch einen Rechtsstreit anzuzetteln, sollte man einen spezialisierten Rechtsanwalt aufsuchen, unter Umständen ein wenig in die Beratung investieren und prüfen lassen, inwieweit Ansprüche bestehen, durchsetzbar sind und welche Möglichkeiten der Vollstreckung es gibt. Ein seriöser Kollege wird dabei immer auf Risiken hinweisen und Kosten vorab kommunizieren.

Auch wenn viele Spieler oder gerade Teammitglieder jüngeren Alters diesen Schritt oft scheuen, so ist es, aus meiner Erfahrung, meist der deutlich bessere Schritt. Ich z.b. konnte schon oft mit Vertragspartnern oder Arbeitgebern Einigungen herbeiführen, die ein Mandant hätte nicht verhandeln können. Die Palette reicht hier von Klageandrohungen, über Vergleiche bis hin zu Ratenzahlungen. Sanfter Druck, teilweise unterstützt von Hinweisen beispielsweise auf die Risiken aus Nr. 2, wirken oft Wunder.

Zudem gilt, dass man als Verfahrensbeteiligter oftmals nicht den notwendigen “Abstand” hat, um zielgerichtet und mit der notwendigen Professionalität zu verhandeln bzw. gar kommunizieren. Auch beim Fordern von Geldzahlungen ist Professionalität hilfreich, denn:

Einen Rechtsanwalt zu haben kostet natürlich Geld, keinen Rechtsanwalt zu haben, kostet oft noch viel mehr.

Wer dazu mehr Fragen hat, kann mich gerne, unverbindlich, kontaktieren.

 

Mehrere Dateien bitte als .zip schicken.
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Rundfunkstaatsvertrag und Esport-Streams?

Im Laufe des letzten Jahres gab es in der Gamesbranche rege Diskussionen rund um die Frage, ob professionelle YouTuber oder Twitch-Streamer unter Umständen eine Rundfunklizenz benötigen.

Das Thema wird aktuell nicht mehr so heiß gekocht, da der aktuelle Entwurf des neuen Rundfunkstaatsvertrages für Streamer große Ausnahmen vorsieht.

Danach soll ein neuer § 20b wie folgt eingefügt werden:

§ 20 b Bagatellrundfunk

(1) Keiner Zulassung bedürfen
1. Rundfunkprogramme, die aufgrund ihrer geringen
journalistisch-redaktionellen Gestaltung, ihrer
begrenzten Dauer und Häufigkeit der Verbreitung,
ihrer fehlenden Einbindung in einen auf Dauer angelegten
Sendeplan oder aus anderen vergleichbaren
Gründen nur geringe Bedeutung für die individuelle
und öffentliche Meinungsbildung entfalten, 2. Rundfunkprogramme, die jedenfalls weniger als
5000 Nutzern zum zeitgleichen Empfang angeboten
werden,

3. Rundfunkprogramme im Internet, die regelmäßig
im Monatsdurchschnitt weniger als 20.000 Zuschauer
erreichen [oder vorwiegend dem Vorführen
und Kommentieren des Spielens eines virtuellen
Spiels dienen].

Die zuständige Landesmedienanstalt bestätigt die
Zulassungsfreiheit auf Antrag durch Unbedenklichkeitsbescheinigung.

(2) Die Landesmedienanstalten regeln das Nähere
zur Konkretisierung der Zulassungsfreiheit nach
Abs. 1 durch Satzung.

(3) Vor dem (Datum des Inkrafttretens des Dreiundzwanzigsten
Rundfunkänderungsstaatsvertrages)
angezeigte, ausschließlich im Internet verbreitete
Hörfunkprogramme gelten als zugelassene
Programme nach § 20.

Diese Regelung soll nach ausdrücklichem Willen solche Streams betreffen, die “vorwiegend dem Vorführen und Kommentieren des Spielens eines virtuellen Spiels dienen“.

Auch wenn es nach aktuellen Stand noch an Kleinigkeiten Diskussionsbedarf gibt, so wurde dieser Entwurf inzwischen gebilligt und wird wohl, nach aktuellem Status, im Mai 2019 in Kraft treten. Streamer, die Spiele bewerten und kommentieren, dürfte nach meinem aktuellen Kennmissstand außen vor sein.

Fraglich ist jedoch, wie es nun mit einer Esportübertragung aussieht, die natürlich auch ein Spiel zeigt, aber meist auch noch viel mehr beinhaltet, nämlich Diskussionen, Interviews, Bewertungen, Übertragungen aus einem Stadium, redaktionelle Inhalte, die oft durchaus einem Sendeplan unterliegen und in Zukunft hoffentlich auch deutlich mehr als 5000 Nutzer haben.

Ebenso dürfte sich die Frage stellen, ob die Esportbranche, nach der großen Diskussion um die Bewertung als Sport und die Bedeutung in der Gesellschaft, sich gerne auf der Ausnahme ausruhen möchte, dass eine Übertragung nur geringe Bedeutung für die individuelle
und öffentliche Meinungsbildung entfalten würde.

Zwar ist eine Zulassung dann wohl durchaus möglich, wenn auch mit Kosten verbunden, die Betreiber müssen sich sodann aber z.b. an die im RStV etablierten Grundgebote des Werberechts, nämlich das Trennungs- und Erkennbarkeitsgebot berücksichtigen, wonach z.b. redaktionelle Bewegtbild-Inhalte und werbliche Inhalte eindeutig voneinander zu trennen sind. Es darf außerdem keine Vermischung von eigentlichem gesendeten Inhalt und Werbung erfolgen. Letztere muss zudem leicht als solche zu erkennen sein. Daneben ist immer auch das Verbot von Schleichwerbung zu beachten.

Hinzu kommen gerade bei den sehr beliebten Esportspielen, die für die Werbewirtschaft relevant sind, wie Call of Duty oder Counter Strike, die Regelungen des Jugendmedienschutzstaatsvertrages (JMStV). Danach dürfen jugendgefährdende Angebote grundsätzlich nicht verbreitet bzw. zugänglich gemacht werden. Bei entwicklungsbeeinträchtigenden Angeboten muss dafür Sorge getragen werden, dass Minderjährige der betroffenen Altersstufen diese üblicherweise nicht wahrnehmen. Im unverschlüsselten Fernsehen und in Telemedien gelten daher die nach Altersstufen gestaffelten Sendezeitgrenzen des JMStV.

Zudem ist bei der  Alterseinstufung das Verhältnis der USK-Kennzeichnung des Videospiels zu den Altersgrenzen-Regelungen des JMStV ungeklärt. Vieles spricht zwar für die Auffassung, nicht die USK-Kennzeichnung heranzuziehen, sondern eine eigenständige Bewertung des durch den moderierten Stream und die Zusammenschnitte neu entstandenen Gesamtberichts durchzuführen, da das abgefilmte Geschehen  nur passiv konsumiert wird und die fehlende Interaktivität  nicht die gleiche Wirkungsmacht wie das Spielen selbst entfaltet.

Ob Behörden, Gerichte oder die Zulassungskommission dies auch so sieht, bleibt abzuwarten.  Bisher schweigt sich der aktuell größte Rechtskommentar dazu noch aus.

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