Seit einiger Zeit bin ich nicht mehr dazu gekommen, regelmäßig Blogbeiträge zu schreiben. Der Grund dafür ist, dass ich in zahlreichen größeren Projekten als General Counsel bzw. Berater involviert war. Und leider muss man sagen, dass von diesen größeren Projekten kein einziges mit dem Thema Esport zu tun hatte. Mehr als 50% meiner Beratungszeit entfielen hingegen auf das Thema Blockchain, Kryptowährungen und die zahlreichen Rechtsfragen rund um Investments und die Entwicklung von Blockchain-Technologien wie NFT.

Auch wenn dies für mich eine spannende Zeit war und auch in Zukunft sein wird, so ist es gleichzeitig etwas betrüblich. Denn während Themen wie Security Token, NFT oder Kryptowährungen gerade einen rasanten Aufstieg in fast allen Wirtschaftsbereichen erleben und das Thema “Digitalisierung” enorm voranbringen, krankt das einstige Zugpferd der Digitalisierung, der Esport, an einem Thema, das ich seit vielen Jahren anspreche: Die fehlende Professionalisierung. 

Was ist damit gemeint? 

Während es natürlich einige professionell agierende Unternehmen im Bereich Esport-Teams gibt, so erlebt man gerade als Rechtsanwalt in der Branche, dass die überwiegende Mehrheit der Versuche stümperhaft erfolgt, nicht als “Unternehmen” aufgebaut wird und aufgrund der Strukturen und der Personen dahinter kaum langfristige kommerzielle Perspektiven aufweisen können. Die Themen Finanzierung, Vermarktung, Strukturen, Unternehmensführung und viele weitere essenzielle Themen sind der großen Mehrheit der “Versuche” und leider auch immer mehr “Etablierten” einfach stets anzusehen. Das fängt bei der Frage der soliden Finanzierung an, geht über die Art und Weise wie mit Verträgen, Steuern und anderen Rechtsfragen umgegangen wird und endet, leider, auch im Chaos der politischen Ambitionen.

Der Hype war groß (flacht jedoch gefühlt sehr ab), die Resultate sind aber oft sehr ernüchternd. Das ist dann für Dienstleister, die wie ich als Rechtsanwalt von ihrem Job leben wollen und die eigene Tätigkeit nicht zum Großteil als “Hobby” ansehen, sehr ernüchternd. Denn es führt dazu, dass immer weniger Personen und Menschen signifikant Geld in die Branche investieren wollen. Endemische und erst recht non-endemische Sponsoren und Investoren nutzen vermehrt klassisches Influencer-Marketing für ihre Markenbotschaften, denn die Branche hat es verpasst, darzustellen, warum ein Esport-Team grundsätzlich eine bessere Marketingmöglichkeit ist, als irgendein YouTube-Creator, mit 500.000 Followern oder irgendein Instagram- oder TikTok-Sternchen. Esport-Teams verkommen zu “Beliebigkeit” und sind nichts mehr Besonderes. Sie sind, wenn überhaupt, ein paar Influencer unter der großen Masse an Influencern. Und da die Branche auch politisch kläglich versagt hat (jedenfalls in meinen Augen), sind bei Geldgebern und Sponsoren die Zweifel und Vorbehalte an der Branche nicht angebaut worden.

Die Entwicklung, oder eher die fehlende Entwicklung, sicherlich auch ein wenig durch Covid19 ausgebremst, macht mich eigentlich sehr traurig. Denn eigentlich bin ich seit 40 Jahren Gamer und seit 25 Jahren in der Gamesbranche. Nur während die klassische Gamesbranche sich immer wieder bewegt, agil ist, neue Trends erlebt und stark wächst, dümpelt der Esport als solches weiter vor sich hin. Da helfen auch keine stark “gefärbten” Statistiken irgendwelche Beratungsunternehmen, die angebliche Milliardenumsätze der Branche aufzeigen. Die Realität sieht in vielen Fällen anders aus: schlechte Finanzierung, fehlende Professionalisierung und fragwürdiger Umgang mit Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht.

Ich betreue zwar noch einige größere Projekte und freue mich über jede Anfrage zu Projekten, die meine Einschätzung widerlegen kann, aber ich bin, ehrlich gesagt, pessimistisch gestimmt.

Und Blockchain?

Mehr durch Zufall, wie das Kind zum Brunnen, bin ich daher in den letzten drei Quartalen mit dem Thema Blockchaintechnologien in Berührung gekommen. Und beschäftige mich seit dem intensiv und auch in sehr naher Zusammenarbeit, beispielsweise als General Counsel der GamesCoin Gruppe, mit den juristischen und betriebswirtschaftlichen Fragen rund um Blockchaininstrumente wie Token oder NFT und welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die zukünftige Wirtschaft haben werden.

Die Geschäftsmodelle und Unternehmen im Bereich Blockchain, NFT, Token und somit im Bereich Digitalisierung von Vermögen und vielen Lebensbereichen, zeigen gerade ein enormes Wachstum und locken viel Kapital und professionelle Strukturen an. Nachdem die Branche durch zahlreiche Betrügereien im Bereich ICO einen herben “Schlag” hinnehmen musste, ist das Wachstum gerade enorm. Das Thema der Nun Fungible Token und welche Auswirkungen diese auf unseren Umgang mit dem Thema Digitalisierung haben werden, sind nicht nur im Bereich Computerspiele gerade ein großer Hype und eine große Chance für neue Geschäftsmodelle, sondern strahlt auch auf vielen andere Wirtschaftsbereiche aus. Blockchain als Mittel der Demokratisierung des eigenen Eigentums, Zugriffsrechte bzw. Vermögens und somit die Themen “Finanzierung”, “Transparenz” und “Unabhängig vom Staat” haben allgemein einen großen Stellenwert gewonnen und sind aktuelle bereit mit den Themen “NFT” oder “Play to Earn” das Interesse der Breite Massen im Computerspielebereich zu gewinnen. Nicht nur ist das Interesse vieler Personen an Blockchaintechnologien bereits ausgeprägter als das Interesse am Esport. Die Möglichkeiten der Finanzierung, die professionellen Strukturen und somit die ökonomischen Chancen sind bereits ein vielfaches höher als im Esport.

Zwar gibt es Berührungspunkte zwischen Blockchain und Esport (siehe hier) aber auch die Versuche sind zuletzt an den fehlenden unternehmerischen Strukturen im Esport und nicht zuletzt am abflauenden Interesse der “Verbraucher” UND der “Investoren” am Esport nicht realisiert worden. Vielmehr erlebt die klassische Sportvermarktung, die vom Esport immer sehr abschätzig behandelt wurde, eine große Renaissance.

Während im Esport immer weniger “Macher” interessiert sind, Profis zu engagieren, um die eigenen Unternehmen auf solide Beine zu stellen und entsprechend auch immer weniger angemessene Vergütungen gezahlt werden, sieht es im Bereich der Blockchain-Unternehmen komplett anders aus: solide Finanzierung, professionelle Strukturen und ein hohes Interesse daran, sichere und zukunftsträchtige rechtliche Strukturen und Vertragskonstruktionen zu etablieren. 

Wer hätte das gedacht?

Fazit:

Mein Jahresabschiedspost hier auf dem Block soll auf keinen Fall ein “Jammerpost” sein, auch wenn er vielleicht den Eindruck vermittelt. Vielmehr bin ich traurig darüber, dass ich seit nunmehr fast 5 Jahren versuche Strukturen in Esport-Teams und bei Dienstleistern zu etablieren und dabei oft genug nicht viel Geld verlangt habe, sondern mit viel Engagement handelte. Der Esport scheint es aber leider einfach nicht zu schaffen, in der Mehrheit, den Makel des “Hobby” abzuwerfen und eine echte Bedeutung und einen echten gesellschaftlichen “Shift” zu kreieren. Ihm wird der Rang von Blockchain, Streaming, Clouddienstleistungen  und Mobileapps weggenommen.

Da ich aber auch viel Zeit auf den Esport investiert habe, würde ich mich sehr freuen, wenn man auch im Jahr 2022 versucht, den Spieß umzudrehen und vielleicht auch die Blockchain, Digitalisierung und Esport zu vereinen bzw. zu versöhnen. Jeder, der Interesse an der Etablierung von professionellen Strukturen im Esport hat, ist willkommen mich via E-Mail, LinkedIN oder über andere Kontaktmöglichkeiten anzuschreiben. Vielleicht finden wir ja gemeinsam eine Möglichkeit, die Vision vieler Export-Entrepreneure doch noch Realität werden zu lassen, und auf gesunde ökonomische und rechtliche Beine zu stellen.

Einen gesunden Rutsch und ein erfolgreiches Jahr 2022 wünsche ich allen!

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