Marian Härtel Braucht ein Esportler in Deutschland ein Visum?

Aktuell finden in Deutschland zwar noch nicht allzu viele Esport Turniere von aktuellem Rang statt, aber es werden immer mehr, wie zuletzt die Weltmeisterschaft im Spiel “PUBG” in Berlin und aktuell die ESL One in Hamburg, in der Sieger in im Spiel DOTA 2 gesucht werden.

Es stellt sich daher auch in Deutschland die Frage, wie eSportler an Wettbewerben in Deutschland teilnehmen können. Das gilt insbesondere, da Esport, anders als klassischer Sport, oft sehr international ist und sogar deutsche Profi-Vereine mitunter Teams besitzen, die Spieler überall auf der Welt beinhalten.

So ungern ich auf die ständige Problematik, ob Esport Sport ist, eingehe, da ich überzeugt bin, dass der professionelle Esport ganz andere Probleme hat, hängt die juristische Beantwortung dieser Frage, aktuell zumindest noch, ganz wesentlich von diesem Umstand ab.

Anders als EU-Bürger benötigen Einwohner von sogenannten Drittstaaten in aller Regel eine Aufenthaltsgenehmigung. Das Einreisen mit einem einfachen Touristenvisum ist wenig anzuraten, da beispielsweise eine Turnierteilnahme in der Regel dem Nachgehen einer Arbeitsbeschäftigung gleichzusetzen ist, schließlich erhält man im besten Fall einen Turniergewinn bzw. ist abhängig beschäftigt bei einem Esport-Team, und ohne korrekte Papiere zur Aufenthaltsgenehmigung, die das Arbeiten ausdrücklich erlauben, wird es im Zweifelsfalle heftige strafrechtliche Probleme für die Beteiligten geben. Im mildesten Fall drohen nur saftige Bußgelder.

Auf Ausnahmen für Sportler können sich Esportler, jedenfalls nach dem aktuellen Wortlaut der entsprechenden Normen, nicht berufen.

Auch wenn mir bislang persönlich noch kein Fall bekannt ist, dass es zu Problemen kam: Das Risiko, aufgrund der oben genannten Konsequenzen ist immens.

An diesem Umstand hat bislang auch nichts die ausdrückliche Erwähnung im Koalitionsvertrag 2018 der großen Koalition etwas geändert. Es gibt wohl aktuell genug andere Baustellen, als dass sich “Mutti” mit uns Esportlern beschäftigen will.

Es scheint somit, als müsste man als Rechtsanwalt mit einem Schwerpunkt im Esport Mandanten dazu raten, die Erwerbstätigkeit bei der Einreise doch zu verschweigen und im Zweifel später in einem Verfahren versuchen die Gleichberechtigung von Sport und Esport zu betonen und zu diskutieren. Ansätze, auch verfassungsrechtliche, gibt es dazu einige. Und es gibt auch eine Wahrscheinlichkeit, damit gehört zu werden, es kann hier aber zum einen auf Details ankommen, die unbedingt mit einem Rechtsanwalt abgeklärt werden sollten; und ein gewisses Restrisiko, natürlich auch finanzieller Natur, wird bleiben.

Eine finale Antwort ist daher, auch in diesem Artikel, schwer zu geben. Bestimmte Argumente und Strategien, die ich in den letzten Monaten mit einigen Beteiligten aus der Esport Branche diskutiert habe, werde ich natürlich nicht öffentlich preisgeben. Es gibt jedoch Ansätze und die besseren Argumente sprechen natürlich, auch bezüglich anderer Rechtsfragen, wie die steuerliche Förderung von Vereinen, für die Anerkennung als Sport, bzw. zumindest für die rechtliche Gleichstellung mit Sport.

Für weitere Rückfragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung!

Über Marian Härtel

Marian Härtel ist spezialisiert auf die Rechtsgebiete Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und IT/IP Recht und hat seinen Schwerpunkt im Bereich Computerspiele, Esport, Marketing und Streamer/Influencer. Er betreut Startups im Aufbau, begleitet diese bei sämtlichen Rechtsproblemen und unterstützt sie im Business Development.

Ähnliche Beiträge