Marian Härtel Esport-Teams und fehlende Gehaltszahlungen?

Gestern bin ich zufällig auf diesen Post bei 99Damage aufmerksam geworden. Danach soll das Team Bluejays massive Außenstände bei Spieler und anderen Teammitgliedern haben. Auch wenn ich zu dem Inhalt des Posts mich nicht äußern will, so möchte ich es doch einmal zum Anlass nehmen, ein paar rechtliche Erwägungen zu verschiedenen Problemfeldern rund um das Thema unter das “Volk zu bringen”.

Die Situation ist anscheinend exemplarisch für verschiedene Umstände, die im Esport, nicht nur in Deutschland, sondern auch oft international, schieflaufen und warum es häufig ratsam sein kann, auch rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Prinzip fängt dies schon mit der Webseite von Bluejays an. Auch wenn das Team offiziell in Dänemark registriert ist, so hat diese, und sei es nur mit einer deutschsprachigen Seite, mit einer Mitgliedschaft im ESBD und sonstigen Bezügen nach Deutschland, wohl eine eindeutige Verpflichtung zum Vorhalten eines Impressums. Ich weiß, viele sehen dies als “kleinkariert” an, aber die Impressumspflicht hat einen guten Grund.

Das sei aber nur nebenbei bemerkt, der Post bezieht sich eher u. a. auf die fehlenden Zahlungen.

1. Verträge

Auch wenn es bei Bluejays wohl Verträge und einen gewissen Grad an Professionalisierung gab, so ist für mich als Rechtsanwalt, Consultant und Spielerberater nur schwer nachzuvollziehen, wie man als Spieler und sonstiges Teammitglied über mehrere Monate, bei einzelnen Personen wohl schon seit 2016, akzeptieren kann, dass finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen worden wird.

Will man von seiner Tätigkeit als Esportler wirklich leben und wirklich seine finanzielle Zukunft darauf setzen, sollte man darauf achten, dass ein Vertrag individuell angepasst ist. Egal ob der Vertrag nun auf Kooperationsbasis setzt oder ob man als Angestellter geführt wird, ein solcher Vertrag sollte Klauseln enthalten, was bei Zahlungsausfällen passiert, welche Konsequenzen verspätete Zahlungen haben, mit welchen Gegenforderungen man aufrechnen könnte oder welche Rechte ansonsten zustehen. Ja, einen solchen Vertrag zu erstellen ist sicher aufwendiger, als ein Muster zu benutzen, das es auch bei mir gibt, und dieses nicht mehr anzupassen. Hätte man meinen Rat aber befolgt, würde man jedoch entweder nicht irgendwann auf seinem Geld sitzen bleiben, würde keine Probleme bei staatlicher Unterstützung nach Zahlungsausfall bekommen oder hätte zumindest seine Rechte für die Zukunft oder einem Wechsel zu einem anderen Team gesichert (und sei es Dinge wie Einnahmen aus dem eigenen Streaming und dergleichen).

Hier gilt doch wie bei Startups, die traditionell gerne an Dingen wie einem Rechtsanwalt sparen: Am Anfang gespart, am Ende das Nachsehen.

Letzteres gilt übrigens besonders dann, wenn man es – uns sei es nur formell – mit einem Team zu tun hat, das nicht in der Bundesrepublik Deutschland registriert ist und bei dem – zumindest initial – fraglich ist, ob deutsches Recht überhaupt anwendbar ist.

Ohne Rechtsstandklauseln und ähnliches, ist es nun zumindest aufwendiger zu prüfen, ob beispielsweise deutsches Sozialversicherungsrecht anwendbar ist, wonach hier Arbeitslosengeld von Staat geschuldet ist oder z.b. Anspruch auf Insolvenzgeld besteht.

2. Insolvenzrecht

Wo wir schon bei Insolvenz sind. Gehen wir einmal davon aus, dass auf ein Team deutsches Recht anwendbar ist, dann ist mit Dingen wie Insolvenzrecht und Sozialversicherungspflichten nicht zu spaßen.

Als Team kommt man hier schnell in den Bereich der Haftung als Geschäftsführer.

Während Gehälter und Schulden zumindest bedingt insolvenzfest sind, zumindest wenn man rechtzeitig Insolvenz anmeldet, sieht dies bei Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern vollkommen anders aus. Letztere können zudem auch noch Jahre später, nach Betriebsprüfungen oder Rentenprüfungen auf den, bis dann ahnungslosen, Geschäftsführer lauern. Diese Forderungen sind oft persönlicher Natur, fallen unter Umständen nicht in private Insolvenzmöglichkeiten und können sogar strafrechtlicher Natur sein. Hier droht also mehr, als manch einer es ahnen mag.

Einer der größten Irrtümer deutscher Startups und Kleinunternehmer ist, dass man durch Gründung einer GmbH und als Geschäftsführer aus allen Haftungen entlassen ist. Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall und die Verpflichtungen werden sogar noch vielfältiger.

3. Finanzplanung

Eine schlechte Finanzplanung kann schnell ein kleines Lebenswerk zerstören. Natürlich kann auch im Esport immer z.b. ein Sponsor abspringen (wobei sich dann auch hier die nervige Frage von schlechten Verträgen stellt!), aber die oberste Pflicht eines Geschäftsführers oder eines Leiters einer Organisation, sollte immer sein, die Finanzsituation im Auge zu behalten und im Zweifel auch Rücklagen zu bilden.

4. Trennung von Management und Spielern

Die Risiken und Aufgaben einer Teamleitung sind derart vielfältig, dass ich überzeugt bin, dass es in der Regel nicht funktionieren kann, dass einer der Spieler eines Teams auch die Organisation übernimmt. Was im Falle eines Hobby-Teams noch absolut normal ist, muss bereits als semiprofessionelles Team ein No-Go sein. Als Mitglied des Managements sollte es einem als erstes klar sein, dass man nicht gleichzeitig eine Karriere als Esport-Spieler verfolgen kann. Beides schließt sich aus.

5. Forderungen nachgehen

Aber kommen wir zurück zum Thema Bluejays und dem fehlenden Ausgleich von Forderungen der Spieler und anderer Teammitglieder.

Zwar ist es gut, wenn man seiner Wut Luft macht und bestimmte Dinge auf Twitter veröffentlicht. Strategisch ist es aber oft dumm, denn es wird das Verhältnis zwischen Team und Spieler nicht verbessern. Im Gegenteil, oft wird man seine Chancen auf einen Ausgleich der Forderungen eventuell noch verschlechtern, weil schlechte PR extrem negative Auswirkungen auf die weitere finanzielle Situation eines Teams haben kann.

Wenn es vertragliche Verpflichtungen gibt, dann sollte zunächst die Kommunikation mit dem Arbeitgeber/Auftraggeber gesucht werden. Ist dies nicht erfolgreich – und reden wir über Geldsummen, bei denen es sich lohnt, auch einen Rechtsstreit anzuzetteln, sollte man einen spezialisierten Rechtsanwalt aufsuchen, unter Umständen ein wenig in die Beratung investieren und prüfen lassen, inwieweit Ansprüche bestehen, durchsetzbar sind und welche Möglichkeiten der Vollstreckung es gibt. Ein seriöser Kollege wird dabei immer auf Risiken hinweisen und Kosten vorab kommunizieren.

Auch wenn viele Spieler oder gerade Teammitglieder jüngeren Alters diesen Schritt oft scheuen, so ist es, aus meiner Erfahrung, meist der deutlich bessere Schritt. Ich z.b. konnte schon oft mit Vertragspartnern oder Arbeitgebern Einigungen herbeiführen, die ein Mandant hätte nicht verhandeln können. Die Palette reicht hier von Klageandrohungen, über Vergleiche bis hin zu Ratenzahlungen. Sanfter Druck, teilweise unterstützt von Hinweisen beispielsweise auf die Risiken aus Nr. 2, wirken oft Wunder.

Zudem gilt, dass man als Verfahrensbeteiligter oftmals nicht den notwendigen “Abstand” hat, um zielgerichtet und mit der notwendigen Professionalität zu verhandeln bzw. gar kommunizieren. Auch beim Fordern von Geldzahlungen ist Professionalität hilfreich, denn:

Einen Rechtsanwalt zu haben kostet natürlich Geld, keinen Rechtsanwalt zu haben, kostet oft noch viel mehr.

Wer dazu mehr Fragen hat, kann mich gerne, unverbindlich, kontaktieren.

 

Über Marian Härtel

Marian Härtel ist spezialisiert auf die Rechtsgebiete Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und IT/IP Recht und hat seinen Schwerpunkt im Bereich Computerspiele, Esport, Marketing und Streamer/Influencer. Er betreut Startups im Aufbau, begleitet diese bei sämtlichen Rechtsproblemen und unterstützt sie im Business Development.

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